{"id":7179,"date":"2023-07-18T20:16:01","date_gmt":"2023-07-18T19:16:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cr-online.de\/blog\/?p=7179"},"modified":"2023-07-19T11:14:16","modified_gmt":"2023-07-19T10:14:16","slug":"es-kommt-immer-wieder-vor-dass-menschen-sich-gegenseitig-filmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cr-online.de\/blog\/2023\/07\/18\/es-kommt-immer-wieder-vor-dass-menschen-sich-gegenseitig-filmen\/","title":{"rendered":"&#8222;Es kommt immer wieder vor, dass Menschen sich gegenseitig filmen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"color: #000000;\">&#8211; Zur datenschutzrechtlichen Zul\u00e4ssigkeit der Street Photography &#8211;<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der\u00a0Hamburgische Landesdatenschutzbeauftragte stellte in seinem T\u00e4tigkeitsbericht 2020 fest: <em>&#8222;Es kommt immer wieder vor, dass Menschen sich gegenseitig filmen.&#8220;<\/em>\u00a0Und er zieht daraus Konsequenzen und verh\u00e4ngt regelm\u00e4\u00dfig <strong>Bu\u00dfgelder<\/strong> gegen Personen, die andere fotografieren oder filmen.\u00a0Das Amtsgericht Hamburg best\u00e4tigte ihn darin. Auch die nieders\u00e4chsische Datenschutzaufsicht\u00a0verh\u00e4ngt entsprechende Bu\u00dfgelder. In einem konkreten Fall unterst\u00fctzte\u00a0<em><a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/twitter.com\/s_laoutoumai\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">RA Sebastian Laoutoumai<\/a><\/em>\u00a0k\u00fcrzlich diese Praxis mit einem\u00a0<a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/twitter.com\/s_laoutoumai\/status\/1671167919097786368?s=20\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tweet<\/a>\u00a0(&#8222;richtig so&#8220;) und in einem\u00a0<a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/posts\/sebastian-laoutoumai-8b584a148_die-dsgvo-zieht-der-stra\u00dfenfotografie-den-activity-7077242387445473280-buPm\/?utm_source=share&amp;utm_medium=member_desktop\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LinkedIn-Post<\/a>. Er stie\u00df damit eine Debatte \u00fcber Personenfotografie an &#8211; und wir fragen uns:\u00a0Gilt die DSGVO f\u00fcrs private Fotografieren von Menschen?<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"color: #000000;\"><strong>1. Relevanz der DSGVO f\u00fcr die Personenfotografie?<\/strong><\/span><\/h2>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Wohlgemerkt: Es geht hier nicht um die Ver\u00f6ffentlichung von Fotos. Diese ist rechtlich kompliziert genug. Es geht um die Frage, ob bereits das blo\u00dfe Fotografieren\/Filmen anderer Personen mit Smartphone oder Digitalkamera (inkl. Speicherung auf Speicherkarte\/Festplatte) datenschutzrechtlich relevant ist.<\/span><\/p>\n<h3><span style=\"color: #000000;\"><strong>a) Zahlenm\u00e4\u00dfige Relevanz<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die Frage hat gewisse praktische Relevanz: Es d\u00fcrfte einige Menschen in der EU geben, die in genau dieser Sekunde, in der Sie dies lesen, mit einem Smartphone oder einer Digitalkamera fotografiert oder gefilmt werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Im Internet geistert recht aktuell die Sch\u00e4tzung herum, dass weltweit t\u00e4glich 3,5 Mrd. Fotos gemacht w\u00fcrden. Bei einer Weltbev\u00f6lkerung von 8 Mrd. Menschen, entfielen auf die 500 Mio. Menschen in der EU somit t\u00e4glich ca. 219 Mio. Fotos. Geht man sehr defensiv von einer Quote von 10 % der Fotos aus, auf denen Personen zu erkennen sind, w\u00e4ren dies t\u00e4glich ca. 22 Mio. Fotos mit Personenbezug in der EU.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der Autor z\u00e4hlt auf seinem Smartphone f\u00fcr die letzte Woche 170 Fotos\/Videos, die er selbst gemacht oder zugesandt bekommen hat. 70 davon (ca. 41 %) haben Personenbezug.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Obwohl die Personenfotografie heute allt\u00e4glicher nicht sein k\u00f6nnte, ist die Rechtslage &#8222;un\u00fcbersichtlich und nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt&#8220; (<em>Lorenz M\u00fcller-Tamm<\/em>, <a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/www.nomos-shop.de\/nomos\/titel\/street-photography-und-persoenlichkeitsrecht-id-114438\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Street Photography und Pers\u00f6nlichkeitsrecht<\/a>, Diss. 2023, 62).<\/span><\/p>\n<h3><span style=\"color: #000000;\"><strong>b) Gesellschaftliche Relevanz<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die von den Aufsichtsbeh\u00f6rden bekannt gemachten F\u00e4lle sind &#8211; wenig \u00fcberraschend &#8211; solche mit Emp\u00f6rungspotential, bei denen sich die Beh\u00f6rden des Applauses sicher sein k\u00f6nnen:<\/span><\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 122\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<ul>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Taxifahrer fotografiert ihm fremde Jugendliche auf der Stra\u00dfe, speichert die Aufnahmen in einem Ordner, der einen sehr hohen Anteil an pornografischen Aufnahmen aufweist (LfDI Hamburg).<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Mann filmt auf einem Stadtteilfest gezielt Kinder, die mit ihren Eltern dort zum Feiern waren (LfDI Hamburg).<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Mann filmt heimlich junge Frauen, die sich leicht bekleidet im Park zum Sonnenbaden aufhalten (LfDI Hamburg).<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Mann folgt einer Familie und filmt dabei durchgehend und gezielt die minderja\u0308hrige Tochter der Familie (LfDI Hamburg).<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Frauen werden unter den Rock in den Intimbereich gefilmt, sog. &#8222;upskirting&#8220; (LfDI Hamburg) oder auch &#8222;downblousing&#8220;.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Mann filmt im Einkaufszentrum und an Gesch\u00e4ftsausg\u00e4ngen in verdeckter Weise leicht bekleidete Ma\u0308dchen und junge Frauen (z.T. j\u00fcnger als 14 Jahre, z.T. mit einem Abstand von nur wenigen Zentimetern, bis zu 38 Minuten lang) (LfDI Hamburg).<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Filmen von Kindern mit einer Handykamera in einer Badesituation (LfDI Hamburg).<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Mann verfolgt weibliche Jugendliche in der Innenstadt und macht Fotos von diesen im \u00f6ffentlichen Raum (LfD Niedersachsen).<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Es ist v\u00f6llig klar, dass die beschriebenen F\u00e4lle mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit Verletzungen des Pers\u00f6nlichkeitsrechts der Fotografierten darstellen. Wahrscheinlich haben die Fotografierten zivilrechtliche Unterlassungsanspr\u00fcche gem\u00e4\u00df <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=ges_bgb_823\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a7\u00a7 823<\/a>, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=ges_bgb_1004\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1004 BGB<\/a>. Wom\u00f6glich kommen auch zivilrechtliche Schadensersatzanspr\u00fcche in Betracht. Und eventuell war das Fotografieren auch strafrechtlich relevant sind. In Betracht kommen:<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Verletzung des Intimbereichs durch Bildaufnahmen: <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=ges_stgb_184k\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a7 184k StGB<\/a><\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Verletzung des h\u00f6chstpers\u00f6nlichen Lebensbereichs und von Pers\u00f6nlichkeitsrechten durch Bildaufnahmen: <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=ges_stgb_201a\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a7 201a StGB<\/a><\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">Nachstellung: <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=ges_stgb_238\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a7 238 StGB<\/a><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Es ist also nicht so, dass die fotografierten Opfer ohne DSGVO schutzlos w\u00e4ren und die fotografierenden T\u00e4ter ohne DSGVO sanktionslos blieben. Es stellt sich vielmehr die Frage, ob die DSGVO anwendbar ist und, wenn ja, ob dies rechtspolitisch sinnvoll ist.<\/span><\/p>\n<h3><span style=\"color: #000000;\"><strong>c) K\u00fcnstlerische Relevanz<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Ein m\u00f6glicher Kollateralschaden der Anwendbarkeit der DSGVO ist die Stra\u00dfenfotografie (&#8222;street photography&#8220;).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die <strong>Stra\u00dfenfotografie<\/strong> ist eine <strong>Kunstform<\/strong>, die seit Jahrzehnten etabliert ist. Die Fotos von <em><a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/www.dostreetphotography.com\/blog\/henri-cartier-bresson\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Henri Cartier-Bresson<\/a><\/em>, <a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/aboutphotography.blog\/photographer\/robert-doisneau\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Robert Dois<\/em>neau<\/a>, <a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/www.cluster-london.com\/the-poetry-of-the-street-andre-kertsz-cluster-photographyandprint-journal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Andr\u00e9 Kert<\/em>\u00e9sz<\/a>, <a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/thephotographersgallery.org.uk\/whats-on\/helen-levitt-retrospective\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Helen L<\/em>evitt<\/a>\u00a0oder <em><a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/www.liveauctioneers.com\/news\/be-smart\/long-after-her-death-photographer-diane-arbus-remains-unmatched\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Diane Arbus<\/a><\/em>\u00a0(um nur einige zu nennen)\u00a0sind zu Ikonen der Kunstgeschichte geworden.\u00a0Kernelement der Stra\u00dfenfotografie ist die Darstellung von Menschen. Jedenfalls sind sie das &#8222;h\u00e4ufigste und typische Motiv&#8220; (vgl. <em>M\u00fcller-Tamm<\/em>, S. 33 ff.). Die Stra\u00dfenfotografie &#8222;verdichtet den Alltag zum Bild&#8220; und zu diesem Alltag geh\u00f6ren &#8222;menschliche Aggregatszust\u00e4nde&#8220;; die Stra\u00dfenfotografie braucht die &#8222;Idee eines Theaters der Stra\u00dfe&#8220; und dieses ist ohne Menschen nicht denkbar (<em><a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hans-Michael_Koetzle\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hans-Michael Koetzle<\/a><\/em>, zitiert nach <em>M\u00fcller-Tamm<\/em>, Seite 25 f.).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Weitere Kriterien der Stra\u00dfenfotografie sind die Ungestelltheit und Unverf\u00e4lschtheit der Aufnahme. F\u00fcr das Herstellen der Aufnahme bedeutet dies, dass sie aus k\u00fcnstlerischer Sicht nicht einwilligungsf\u00e4hig sind.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte schreibt zu den F\u00e4llen, in denen er ein Bu\u00dfgeld verh\u00e4ngt hat (<a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/datenschutz-hamburg.de\/assets\/pdf\/30._taetigkeitsbericht_datenschutz_2021.PDF\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">T\u00e4tigkeitsbericht 2021<\/a>, Seite 72):<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #000000;\"><em>&#8222;Den Aufnahmen kommt kein ku\u0308nstlerischer Wert zu und sie du\u0308rften wohl nach keinem Versta\u0308ndnis unter den Sammelbegriff der Stra\u00dfenfotografie fallen.&#8220;<\/em><\/span><\/p><\/blockquote>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 122\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<p><span style=\"color: #000000;\">Damit stellt sich die Frage, ob am Ende die Datenschutzaufsichtsbeh\u00f6rde entscheidet, ob eine Aufnahme k\u00fcnstlerischen Wert hat und daher zul\u00e4ssig ist. Wie gesagt, es geht nicht darum, ob ein bestimmtes Verhalten sanktionsw\u00fcrdig ist, sondern nur darum, ob das Datenschutzrecht \u00fcber die Sanktion entscheidet.<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"color: #000000;\"><strong>2. Folgen einer Anwendung der DSGVO<\/strong><\/span><\/h2>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Ist die DSGVO erst einmal anwendbar, ist sie es f\u00fcr alle Fallkonstellationen, in denen eine nat\u00fcrliche Person fotografiert wird. In diesem Fall gelten dann auch alle nach Z\u00e4hlung des Autors <a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/dataprotection-landscape.com\/file\/mindmap_o.02.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">68 Pflichten der DSGVO<\/a>. Auch Hobbyfotografen m\u00fcssten dann<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><em><span style=\"color: #000000;\"><a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/dataprotection-landscape.com\/law\/gdprbrobligations\/legal-grounds-general\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rechtsgrundlagen f\u00fcr das eigene Handeln suchen<\/a>, <\/span><\/em><\/li>\n<li><em><span style=\"color: #000000;\"><a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/www.cr-online.de\/blog\/2019\/05\/22\/datenschutz-das-zuegellose-recht-teil-iii-die-totale-drittwirkung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">einen Grundrechtsausgleich vornehmen<\/a>,<\/span><\/em><\/li>\n<li><em><span style=\"color: #000000;\"><a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/dataprotection-landscape.com\/law\/gdprbrobligations\/data-protection-principles\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Grunds\u00e4tze der Datenverarbeitung beachten<\/a>,<\/span><\/em><\/li>\n<li><em><span style=\"color: #000000;\"><a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/dataprotection-landscape.com\/law\/gdprbrobligations\/data-subjects-rights\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Betroffenenrechte erf\u00fcllen<\/a>,<\/span><\/em><\/li>\n<li><em><span style=\"color: #000000;\"><a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/dataprotection-landscape.com\/law\/gdprbrbalancing-decisions\/balancing-of-interests\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Interessenabw\u00e4gungen durchf\u00fchren<\/a>,<\/span><\/em><\/li>\n<li><em><span style=\"color: #000000;\"><a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/dataprotection-landscape.com\/law\/gdprbrbalancing-decisions\/proportionality\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeitspr\u00fcfungen durchf\u00fchren<\/a>,<\/span><\/em><\/li>\n<li><em><span style=\"color: #000000;\"><a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/dataprotection-landscape.com\/law\/gdprbrobligations\/information-communication\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Informations- und\u00a0Kommunikationspflichten erf\u00fcllen<\/a>,<\/span><\/em><\/li>\n<li><em><span style=\"color: #000000;\">Rechtsgrundlagen f\u00fcr das eigenen Handeln zitieren,<\/span><\/em><\/li>\n<li><em><span style=\"color: #000000;\">Rechtsbehelfsbelehrungen aussprechen,<\/span><\/em><\/li>\n<li><em><span style=\"color: #000000;\">Schriftlichkeitsanforderungen erf\u00fcllen,<\/span><\/em><\/li>\n<li><em><span style=\"color: #000000;\">Begr\u00fcndungspflichten erf\u00fcllen,<\/span><\/em><\/li>\n<li><em><span style=\"color: #000000;\">Bestimmtheitsgebote erf\u00fcllen,<\/span><\/em><\/li>\n<li><em><span style=\"color: #000000;\"><a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/dataprotection-landscape.com\/law\/gdprbrbalancing-decisions\/risk-assessment\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Risikopr\u00fcfungen vornehmen<\/a>,<\/span><\/em><\/li>\n<li><em><span style=\"color: #000000;\"><a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/dataprotection-landscape.com\/law\/gdprbrobligations\/measures\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">technische und organisatorische Ma\u00dfnahmen ergreifen<\/a>,<\/span><\/em><\/li>\n<li><em><span style=\"color: #000000;\"><a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/dataprotection-landscape.com\/law\/gdprbrobligations\/accountability-obligations\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dokumentations- und Nachweispflichten erf\u00fcllen<\/a>.<\/span><\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Es w\u00e4re geradezu &#8222;bizarr&#8220; (<em>Bernd Schmidt<\/em>), Privatpersonen f\u00fcr pers\u00f6nliche T\u00e4tigkeiten all diese Pflichten aufzuerlegen. Daher ist die Frage, ob die DSGVO gilt oder nicht, so bedeutungsvoll.<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"color: #000000;\"><strong>3. Was ist eine &#8222;ausschlie\u00dflich pers\u00f6nliche T\u00e4tigkeit&#8220;?<\/strong><\/span><\/h2>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><span style=\"color: #000000;\">All dies w\u00fcrde nicht gelten, wenn das Anfertigen von Personenfotos der\u00a0sog. Haushaltsausnahme des <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=ges_dsgvo_2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Art. 2 Abs. 2 lit. c DSGVO<\/a> unterl\u00e4ge. Nach dieser Norm findet die DSGVO keine Anwendung<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #000000;\"><em>&#8222;auf die Verarbeitung personenbezogener Daten\u00a0durch nat\u00fcrliche Personen zur Aus\u00fcbung <strong>ausschlie\u00dflich pers\u00f6nlicher oder famili\u00e4rer T\u00e4tigkeiten<\/strong>.&#8220;<\/em><\/span><\/p><\/blockquote>\n<div class=\"page\" title=\"Page 122\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p><span style=\"color: #000000;\">Viele Datenschutzrechtler d\u00fcrften bislang wie selbstverst\u00e4ndlich davon ausgegangen sein, dass wenigstens das Anfertigen von Fotos f\u00fcr den eigenen Schuhkarton bzw. die eigene Festplatte als &#8222;ausschlie\u00dflich pers\u00f6nliche T\u00e4tigkeit&#8220; anzusehen war. Durch die genannte Bu\u00dfgeldpraxis der Datenschutzaufsichtsbeh\u00f6rden ist aber genau dies in Frage gestellt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Abstrakt-generelle Aussagen zu der Frage, wann ein Foto der sog. Haushaltsausnahme unterf\u00e4llt und wann nicht, lassen sich den<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #000000;\">konsultierten T\u00e4tigkeitsberichten der Datenschutzaufsichtsbeh\u00f6rden (vgl. HmbBfDI, <a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/datenschutz-hamburg.de\/assets\/pdf\/29._taetigkeitsbericht_datenschutz_2020.PDF\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2020<\/a>\u00a0(Seite 120), <a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/datenschutz-hamburg.de\/assets\/pdf\/30._taetigkeitsbericht_datenschutz_2021.PDF\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2021<\/a>\u00a0(Seite 71),\u00a0<a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/datenschutz-hamburg.de\/assets\/pdf\/Hamburg_Datenschutz_2022_web_final.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2022<\/a>\u00a0(Seite 123); LfD Niedersachsen, <a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/lfd.niedersachsen.de\/startseite\/infothek\/tatigkeitsberichte\/2022\/28-tatigkeitsbericht-2022-223047.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2022<\/a>\u00a0(Seite 102)),<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">dem genannten Beschluss des AG Hamburg (<a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=itrb.2021.09.i.0208.01.e\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beschluss vom 3.7.2020 &#8211; Az.\u00a0163 Gs 656\/20<\/a>) und<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">der einschl\u00e4gigen Literatur<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"page\" title=\"Page 122\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p><span style=\"color: #000000;\">jedoch nur bruchst\u00fcckhaft entnehmen. Eine Auslegung des Tatbestandsmerkmals &#8222;ausschlie\u00dflich pers\u00f6nliche T\u00e4tigkeit&#8220; nach den g\u00e4ngigen Auslegungsmethoden sucht man vergebens. Es lassen sich mit viel M\u00fche die folgenden Auslegungskriterien f\u00fcr das Tatbestandsmerkmal &#8222;ausschlie\u00dflich pers\u00f6nliche T\u00e4tigkeit&#8220; herausdestillieren:<\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"column\">\n<ul>\n<li>\n<h3><span style=\"color: #000000;\"><strong>N\u00e4hebeziehung zwischen Fotograf und Fotografiertem<\/strong><\/span><\/h3>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Teilweise wird eine N\u00e4hebeziehung zwischen Fotograf und Fotografiertem verlangt, damit das Fotografieren als zul\u00e4ssig erachtet wird. Fotos von <strong>&#8222;Fremden&#8220;<\/strong>, zu denen der Fotograf keine Beziehung hat, sollen unzul\u00e4ssig sein (LfDI Hamburg). Nach AG Hamburg sollen &#8222;vornehmlich Familienfeiern, Gruppenreisen, Betriebsfeiern oder \u00e4hnliche Veranstaltungen, die in diesem Moment einen Teil der privaten Pers\u00f6nlichkeitssph\u00e4re einer Person darstellen bzw. abbilden&#8220;, nicht der DSGVO unterfallen. In der Kommentarliteratur stellt <em>Matthias B\u00e4cker<\/em>\u00a0darauf ab, ob zu der abgebildeten Person eine &#8222;n\u00e4here pers\u00f6nliche Beziehung&#8220; besteht (dann keine DSGVO) oder ob es sich um eine &#8222;zuvor unbekannte Person&#8220; handelt (dann DSGVO).<\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<ul>\n<li>\n<h3><span style=\"color: #000000;\"><strong>R\u00e4umliche Betrachtung<\/strong><\/span><\/h3>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Teilweise scheinen r\u00e4umliche Privatsph\u00e4revorstellungen zu bestehen. So meint das AG Hamburg, dass das Fotografieren fremder Personen in der \u00d6ffentlichkeit den <strong>\u201eprivaten Raum\u201c<\/strong> verlasse. Der Fotografierte befinde sich au\u00dferhalb der dem Fotografen einger\u00e4umten (sic!) \u201ePrivatsph\u00e4re\u201c. Der Fotografierte k\u00f6nne durch die Anfertigung des Bildes nicht in diese \u201ehineingezogen\u201c werden. Zur Begr\u00fcndung einer solchen r\u00e4umlichen Betrachtung l\u00e4sst sich auch das <a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/curia.europa.eu\/juris\/document\/document.jsf;jsessionid=1FF48F966FA142C17A0B29053FC4B80D?text=&amp;docid=160561&amp;pageIndex=0&amp;doclang=de&amp;mode=lst&amp;dir=&amp;occ=first&amp;part=1&amp;cid=2132690\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EuGH-Urteil in der Rechtssache\u00a0Ryne\u0161 (C-212\/13)<\/a> heranziehen. Danach f\u00e4llt\u00a0eine Video\u00fcberwachung zum Schutz des h\u00e4uslichen Eigentums schon dann in den Anwendungsbereich der DSGVO, wenn sie sich &#8222;auch nur teilweise auf den \u00f6ffentlichen Raum erstreckt und dadurch auf einen Bereich au\u00dferhalb der privaten Sph\u00e4re desjenigen gerichtet ist, der die Daten auf diese Weise verarbeitet&#8220; (Rn. 33).<\/span><\/p>\n<ul>\n<li>\n<h3><span style=\"color: #000000;\"><strong>\u00c4u\u00dfere Umst\u00e4nde<\/strong><\/span><\/h3>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Teilweise wird auf die \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde des Fotografierens abgestellt. So wird die heimliche Anfertigung von Fotos fremder Menschen f\u00fcr problematisch gehalten. Die nieders\u00e4chsische Landesdatenschutzbeauftragte verwendet (erfindet?) den Begriff der &#8222;nachstellungs\u00e4hnlichen&#8220; Personenfotografie.<\/span><\/p>\n<ul>\n<li>\n<h3><span style=\"color: #000000;\"><strong>Gezielte Aufnahme oder Beiwerk?<\/strong><\/span><\/h3>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Neben der heimlichen Aufnahme soll auch die gezielte Anfertigung von Fotos fremder Menschen datenschutzrechtlich problematisch sein (AG Hamburg). Nach LfDI Hamburg soll es unproblematisch sein, wenn Personen auf einem Foto als blo\u00dfes Beiwerk abgebildet sind &#8211; ein Begriff der aus <a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/kunsturhg\/__23.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a7 23 Abs. 1 Nr. 2 KUG<\/a> bekannt ist. Auch die LfD Niedersachsen verwendet den Begriff des Beiwerks: <em>&#8222;Bei Aufnahmen, die den\u00a0menschlichen K\u00f6rper in den Mittelpunkt stellen&#8220;<\/em>, fehle es an einer Rechtsgrundlage. In der Kommentarliteratur stellt <em>Matthias B\u00e4cker<\/em> auf das Kriterium der &#8222;gezielten&#8220; Aufnahme ab.<\/span><\/p>\n<ul>\n<li>\n<h3><span style=\"color: #000000;\"><strong>Motivation<\/strong><\/span><\/h3>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Teilweise scheint es auf die Motivation f\u00fcr das Foto anzukommen. Ist sie sexueller Natur, spricht dies offenbar f\u00fcr die Unzul\u00e4ssigkeit (LfDI Hamburg). Allgemein gesprochen, k\u00f6nnte man vielleicht verwerfliche Motive wie die Mordmerkmale &#8222;aus niedrigen Beweggr\u00fcnden&#8220; oder &#8222;zur Befriedigung des Geschlechtstriebs&#8220; zur Fallgruppenbildung heranziehen.<\/span><\/p>\n<ul>\n<li>\n<h3><span style=\"color: #000000;\"><strong>Schutzbed\u00fcrftigkeit des Fotografierten<\/strong><\/span><\/h3>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Augenscheinlich wird auch auf etwaige besondere Schutzbed\u00fcrftigkeit der Fotografierten abgestellt (Kinder, leicht bekleidete Frauen). So k\u00fcndigt der HmbBfDI an, in &#8222;Fa\u0308llen, in denen vulnerable Gruppen in besonderen Situationen gefilmt werden&#8220;, Ordnungswidrigkeitenverfahren einzuleiten.<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"color: #000000;\"><strong>4. Keine saubere Herleitung der DSGVO-Expansion<\/strong><\/span><\/h2>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die vorgenannten Kriterien erwecken den Eindruck, als seien bereits\u00a0abstrakt-generelle Kriterien f\u00fcr die (Nicht-) Anwendung der Haushaltsausnahme herausgearbeitet worden und als habe bereits eine systematische Fallgruppenbildung stattgefunden. Dies ist jedoch nicht der Fall. Der Autor hat die Kriterien in m\u00fchsamer Suche nach verwertbarem Auslegungsmaterial und tagelangen Twitterdiskussionen zusammengekratzt (und damit die juristische Arbeit der Streiter f\u00fcr die Anwendung der DSGVO gemacht).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Es ist in rechtsstaatlicher Hinsicht schon ziemlich erschreckend, mit welcher Selbstverst\u00e4ndlichkeit und Oberfl\u00e4chlichkeit viele Datenschutzadvokaten das moralisch angreifbare Verhalten einzelner Fotografen und die mutma\u00dfliche Verletzung des Pers\u00f6nlichkeitsrechts der Fotografierten zu der Annahme verleiten, dass ein Bu\u00dfgeld durch die Datenschutzaufsichtsbeh\u00f6rde schon ok sei.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die vom Autor aus verschiedenen Dokumenten abgeleiteten Kriterien lassen sich dem Wortlaut, der Systematik und dem Telos der Haushaltsausnahme kaum entnehmen. Die Datenschutzadvokaten unterziehen sich kaum der M\u00fche, nach dem Rechtsgrund der sog. Haushaltsausnahme zu fragen.\u00a0Entgegen dem Wortlaut des\u00a0<a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=ges_dsgvo_2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Art. 2 Abs. 2 lit. c DSGVO<\/a> meint das AG Hamburg, es komme nicht darauf an, <em>&#8222;mit welchem Ziel bzw. zu welchem Zweck die Anfertigung der streitbefangenen Bilder erfolgt ist bzw. ob diese au\u00dferhalb einer rein privaten Sachbehandlung beabsichtigt war&#8220;<\/em>. Das ist schon eine erstaunliche Nicht-Subsumtion unter das Tatbestandsmerkmal der &#8222;ausschlie\u00dflich pers\u00f6nlichen T\u00e4tigkeit&#8220;. Es ist vor allem eine Missachtung des datenschutzrechtlichen Grundsatzes der Zweckbindung. Dreh- und Angelpunkt aller datenschutzrechtlichen Rechtm\u00e4\u00dfigkeitsma\u00dfst\u00e4be ist der vom Verantwortlichen selbst gesetzte Zweck.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Es f\u00e4llt schwer, die Bu\u00dfgeldpraxis einiger Aufsichtsbeh\u00f6rden nicht als willk\u00fcrlich zu bezeichnen. Eine Handvoll von t\u00e4glich vielen Millionen Fotografen wurden bislang mit einem Bu\u00dfgeld belegt.<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"color: #000000;\"><strong>5. Privatzweckfreiheit<\/strong><\/span><\/h2>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der Begriff \u201eHaushaltsausnahme\u201c ist irref\u00fchrend. Er weckt r\u00e4umliche Assoziationen (<em>Kai von Lewinski<\/em>: \u201eHeimchen am Herd\u201c). Bei richtiger Auslegung des <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=ges_dsgvo_2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Art. 2 Abs. 2 lit. c DSGVO<\/a>\u00a0sind jedoch nicht nur auf die eigene Wohnung begrenzte T\u00e4tigkeiten vom Anwendungsbereich der DSGVO ausgeschlossen. Die Ausnahme ist weiter zu verstehen. Passend w\u00e4re die Bezeichnung &#8222;Privatzweckfreiheit&#8220;.<\/span><\/p>\n<ul>\n<li>\n<h3><span style=\"color: #000000;\"><strong>Wortlaut<\/strong><\/span><\/h3>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Schon der Wortlaut der Regelung schlie\u00dft r\u00e4umliche Privatsph\u00e4revorstellungen eigentlich aus.\u00a0&#8222;Ausschlie\u00dflich pers\u00f6nliche T\u00e4tigkeiten&#8220; finden auch im \u00f6ffentlichen Raum statt. Das Nasebohren verliert nicht dadurch seinen privaten Zweck, dass es in der U-Bahn stattfindet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der EuGH hat zwar entschieden, dass die Video\u00fcberwachung des eigenen Hausflurs ihre Qualit\u00e4t als <em>&#8222;ausschlie\u00dflich pers\u00f6nliche T\u00e4tigkeit&#8220;<\/em> verliert, wenn die Kamera einen Teil des \u00f6ffentlichen Stra\u00dfenraums miterfasst. Eine Begr\u00fcndung liefert er aber nicht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die Digitalisierung hat l\u00e4ngst zu\u00a0vielf\u00e4ltigen Grenzverschiebungen und Verschr\u00e4nkungen zwischen \u00d6ffentlichem und Privatem gef\u00fchrt. Neue virtuelle Privatr\u00e4ume sind entstanden. Neue Formen der Skalierung zwischen Anonymit\u00e4t und Identit\u00e4t haben sich etabliert. Eine neue Fehlerkultur entwickelt sich (allgemein zug\u00e4ngliche Saufbilder der Jugendzeit). Vielf\u00e4ltige Formen der Medien-, Themen-, Familien-, Orts-, Betriebs\u00f6ffentlichkeit sind zu unterscheiden. Das\u00a0Im-\u00d6ffentlichen-privat-Sein (Emailschreiben im Caf\u00e9) und das Im-Privaten-\u00f6ffentlich-Sein (Freundesgruppen bei Facebook) sind Normalit\u00e4t.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Es ist nicht \u00fcberraschend, dass die auf Ideen des letzten Jahrtausends beruhende DSGVO und manche ihrer Interpreten diese gesellschaftlichen Verschiebungen nicht ausreichend ber\u00fccksichtigen. So meint\u00a0<em>Alexander Ro\u00dfnagel<\/em>, zu den pers\u00f6nlichen T\u00e4tigkeiten geh\u00f6re nur &#8222;die Pflege von echten Freundschaften&#8220;, geh\u00f6rten nicht aber Freundeslisten in sozialen Netzwerken, die \u00fcber &#8222;Hunderte von Freunden umfassen k\u00f6nnen und nach au\u00dfen dargestellt werden&#8220;.<\/span><\/p>\n<ul>\n<li>\n<h3><span style=\"color: #000000;\"><strong>Systematik<\/strong><\/span><\/h3>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die DSGVO ist da sogar schon weiter. Sie kn\u00fcpft\u00a0gar nicht an \u00fcberwunden geglaubte Fehlvorstellungen einer r\u00e4umlich abgrenzbaren Privatsph\u00e4re an. Aus\u00a0<a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/dsgvo-gesetz.de\/erwaegungsgruende\/nr-18\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Erw\u00e4gungsgrund 18 Satz 1 DSGVO<\/a>\u00a0ergibt sich ziemlich eindeutig, dass das Tatbestandsmerkmal &#8222;ausschlie\u00dflich pers\u00f6nliche T\u00e4tigkeit&#8220; vor allem von &#8222;beruflicher oder wirtschaftlicher T\u00e4tigkeit&#8220; abzugrenzen ist. Pers\u00f6nlich ist somit, was nicht-kommerziell ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Dar\u00fcber hinaus l\u00e4sst sich die &#8222;ausschlie\u00dflich pers\u00f6nliche T\u00e4tigkeit&#8220; nicht vom Zweckbindungsgrundsatz trennen, der das Datenschutzrecht beherrscht:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Wer \u00fcber den Zweck der Datenverarbeitung bestimmt, ist Verantwortlicher. Die Zweckbindung zwingt den Verantwortlichen sich auf eindeutige Zwecke festzulegen und sich im Rahmen dieses Zwecks zu halten.\u00a0Der Zweck hat ma\u00dfgeblichen Einfluss auf die (Un-) Zul\u00e4ssigkeit der Datenverarbeitung. Die DSGVO enth\u00e4lt spezifische Regelungen unter anderem f\u00fcr <a href=\"https:\/\/dataprotection-landscape.com\/law\/gdprbrschutzguterbrcontrollers-others\/freedom-of-the-media\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">journalistische Zwecke<\/a>, <a href=\"https:\/\/dataprotection-landscape.com\/law\/gdprbrschutzguterbrcontrollers-others\/freedom-of-the-arts\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">k\u00fcnstlerische Zwecke<\/a>, <a href=\"https:\/\/dataprotection-landscape.com\/law\/gdprbrschutzguterbrcontrollers-others\/freedom-of-the-arts\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">literarische Zwecke<\/a>, <a href=\"https:\/\/dataprotection-landscape.com\/law\/gdprbrschutzguterbrcontrollers-others\/freedom-of-the-sciences\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wissenschaftliche Forschungszwecke<\/a>, <a href=\"https:\/\/dataprotection-landscape.com\/law\/gdprbrschutzguterbrcontrollers-others\/statistical-purposes\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">statistische Zwecke<\/a>, <a href=\"https:\/\/dataprotection-landscape.com\/law\/gdprbrschutzguterbrcontrollers-others\/archiving-purposes\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Archivzwecke<\/a>, <a href=\"https:\/\/dataprotection-landscape.com\/law\/gdprbrschutzguterbrcontrollers-others\/internal-administrative-purposes\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">interne Verwaltungszwecke<\/a>, <a href=\"https:\/\/dataprotection-landscape.com\/law\/gdprbrschutzguterbrcontrollers-others\/freedom-of-assembly-of-association\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vereinszwecke<\/a>, Zwecke der <a href=\"https:\/\/dataprotection-landscape.com\/law\/gdprbrschutzguterbrcontrollers-others\/marketing\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Direktwerbung<\/a>, <a href=\"https:\/\/dataprotection-landscape.com\/law\/gdprbrschutzguterbrcontrollers-others\/fraud-prevention\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Betrugsverhinderung<\/a>, <a href=\"https:\/\/dataprotection-landscape.com\/law\/gdprbrschutzguterbrcontrollers-others\/network-and-information-security\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Netz- und Informationssicherheit<\/a>, <a href=\"https:\/\/dataprotection-landscape.com\/law\/gdprbrschutzguterbrcontrollers-others\/legal-proceedings\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rechtsverfolgung<\/a> und <a href=\"https:\/\/dataprotection-landscape.com\/law\/gdprbrschutzguterbrcontrollers-others\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">viele Zwecke mehr<\/a>.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Da f\u00fcgen sich die pers\u00f6nlichen und famili\u00e4ren Zwecke der T\u00e4tigkeiten des <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=ges_dsgvo_2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Art. 2 Abs. 2 lit. c DSGVO<\/a>\u00a0hervorragend in die Systematik der DSGVO ein &#8211; insofern, als bestimmte Verarbeitungszwecke im Sinne einer Privatzweckfreiheit eben von ihrer Geltung ausgenommen sind.<\/span><\/p>\n<ul>\n<li>\n<h3><span style=\"color: #000000;\"><strong>Sinn und Zweck<\/strong><\/span><\/h3>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><span style=\"color: #000000;\">Viel wichtiger aber noch als die Auslegung nach Wortlaut und Systematik ist in diesem Fall die teleologische Auslegung. Die Privatzweckfreiheit besteht, weil\u00a0das umfassende und b\u00fcrokratische Regelungsmodell der DSGVO f\u00fcr den pers\u00f6nlichen Lebensbereich ungeeignet w\u00e4re (<em>Kai von Lewinski<\/em>), weil\u00a0die Vorgaben der DSGVO dort kaum einzuhalten w\u00e4ren (<em>Matthias B\u00e4cker<\/em>) und weil die Einhaltung der DSGVO dort kaum \u00fcberpr\u00fcfbar w\u00e4re.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><span style=\"color: #000000;\">Letztlich ist die Privatzweckfreiheit\u00a0grundrechtlich geboten.\u00a0W\u00e4hrend die meisten Regelungen der DSGVO dem ersten Anschein nach zuv\u00f6rderst die Rechte und Freiheiten (und insbesondere das Recht auf Privatleben) des Betroffenen sch\u00fctzen, sch\u00fctzt die Haushaltsausnahme die \u201enat\u00fcrliche Verarbeiterfreiheit des Menschen\u201c (<em>Kai von Lewinski<\/em>).\u00a0Das bedeutet nicht, dass der Autonomieanspruch des Verarbeiters als grunds\u00e4tzlich schutzw\u00fcrdiger als der des Betroffenen angesehen w\u00fcrde. Vielmehr sollen die pers\u00f6nliche Selbstentfaltung und Freiheitsaus\u00fcbung durch die Anwendung des Datenschutzrechts nicht \u201egest\u00f6rt\u201c werden (<em>J\u00fcrgen K\u00fchling\/Johannes Raab<\/em>)<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><span style=\"color: #000000;\">Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen die Rechte des \u201eBetroffenen\u201c auch durch rein pers\u00f6nliche T\u00e4tigkeiten des Datenverarbeiters beeintr\u00e4chtigt werden. In pers\u00f6nlichen oder famili\u00e4ren Beziehungen entstehen die emotionalsten und dramatischsten Konflikte (<em>Kai von Lewinski<\/em>). Das Datenschutzrecht ist nur nicht das geeignete Instrumentarium, um dieses Beziehungsgeflecht zu regulieren. Der Normgeber \u00fcberl\u00e4sst diesen Bereich mehr als andere Bereiche der Selbstregulierung der Privaten. Die <a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/openjur.de\/u\/2177298.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rechtsprechung<\/a> anerkennt sogar \u201eehrschutzfreien\u201c oder \u201ebeleidigungsfreien\u201c Raum.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><span style=\"color: #000000;\">Gleichwohl liegt hier keine Schutzl\u00fccke vor. Der Betroffene ist durch die Nichtgeltung der DSGVO nicht schutzlos gestellt. Es gelten lediglich die zahlreichen Pr\u00e4ventivpflichten der DSGVO nicht. Die zivilrechtlichen und strafrechtlichen Schutzvorschriften gelten. Die geringere Regelungsintensit\u00e4t ist Ausdruck des Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeitsprinzips.<\/span><\/p>\n<ul>\n<li>\n<h3><span style=\"color: #000000;\"><strong>Keine EU-Kompetenz<\/strong><\/span><\/h3>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Dies alles vorausgeschickt, fehlt der EU aber auch die Regelungskompetenz f\u00fcr einen derart weitreichenden Eingriff in die pers\u00f6nliche Lebensgestaltung. Pers\u00f6nliche T\u00e4tigkeiten haben keinen Binnenmarktbezug. Der Datenverarbeiter macht nicht von einer seiner Grundfreiheiten Gebrauch. Die Datenverarbeitung im Rahmen pers\u00f6nlicher T\u00e4tigkeiten weist keinen grenz\u00fcberschreitenden Bezug auf. Nach dem Prinzip der begrenzten Einzelerm\u00e4chtigung darf die EU nur handeln, wenn sie prim\u00e4rrechtlich dazu erm\u00e4chtigt wurde. Auch bei abstrakter Betrachtung haben rein pers\u00f6nliche T\u00e4tigkeiten aber keinen Bezug zum Unionsrecht. Die Privatzweckfreiheit des <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=ges_dsgvo_2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Art. 2 Abs. 2 lit. c DSGVO<\/a>\u00a0ist daher auch prim\u00e4rrechtlich geboten. Die EU d\u00fcrfte ausschlie\u00dflich pers\u00f6nliche T\u00e4tigkeiten gar nicht regeln. Die Datenschutzaufsichtsbeh\u00f6rden d\u00fcrfen daher auch nicht unter Berufung auf die DSGVO Bu\u00dfgelder wegen ausschlie\u00dflich pers\u00f6nlicher T\u00e4tigkeiten nat\u00fcrlicher Personen verh\u00e4ngen.<\/span><\/p>\n<h2><strong><span style=\"color: #000000;\">6. Fazit<\/span><\/strong><\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Privatzweckfreiheit ist grundrechtlich geboten. Sie sch\u00fctzt die Verarbeiterfreiheit nat\u00fcrlicher Personen. Sie ist daher gerade keine \u201eBagatellklausel\u201c (so\u00a0aber in Verkennung der grundrechtlichen Bedeutung der Verarbeitung personenbezogener Daten f\u00fcr den Datenverarbeiter <em>Thomas Zerdick<\/em>). Pers\u00f6nliche T\u00e4tigkeiten sind keine Bagatellen. Sie dienen der Verwirklichung von Grundrechten, allen voran dem Recht auf freie Entfaltung der Pers\u00f6nlichkeit, dem Recht auf Privatleben und dem durch das allgemeine Pers\u00f6nlichkeitsrecht gew\u00e4hrten besonderen Schutz von Vertrauensverh\u00e4ltnissen. Die Privatzweckfreiheit dient somit dem Kernbereich pers\u00f6nlicher Lebensgestaltung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-weight: 400;\">Die Haushaltsausnahme ist daher auch nicht grunds\u00e4tzlich eng oder streng auszulegen. Dies wird zwar von vielen Autoren vertreten und mit dem Ausnahmecharakter der Regelung, dem unkalkulie<span style=\"color: #000000;\">rbaren Risiko f\u00fcr den \u201eBetroffenen\u201c und der Gew\u00e4hrleistung eines effektiven Datenschutzes begr\u00fcndet.\u00a0<\/span>Die Privatzweckfreiheit best\u00e4tigt aber nur, dass der Normgeber f\u00fcr verschiedene Lebensbereiche unterschiedliche Risikoabw\u00e4gungen vorsehen kann. Das bedeutet nicht, dass die f\u00fcr den einen Lebensbereich (berufliche und wirtschaftliche Sph\u00e4re) vorgesehene Risikoabw\u00e4gung automatisch einen breiteren Anwendungsbereich zugestanden bekommen soll als die f\u00fcr den anderen Lebensbereich (pers\u00f6nliche Sph\u00e4re) vorgesehene Risikoabw\u00e4gung.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-weight: 400;\">Erst recht kann die Wertung des Normgebers nicht \u201er\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden\u201c, wenn ein Datenverarbeiter im Rahmen rein pers\u00f6nlicher T\u00e4tigkeiten eine schwere Pers\u00f6nlichkeitsrechtsverletzung vornimmt (wie in den geschilderten F\u00e4llen).<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"> In einem solchen Fall hat der \u201eBetroffene\u201c zu seinem Schutz hinreichende zivil- und strafrechtliche M\u00f6glichkeiten, wobei zu beachten ist, dass der engste Familienkreis mindestens teilweise als \u201eehrschutzfreier Raum\u201c anzusehen ist. Die Anwendbarkeit der DSGVO kann aber nicht davon abh\u00e4ngen, ob ein Fotograf im Rahmen ausschlie\u00dflich pers\u00f6nlicher T\u00e4tigkeiten eine Rechtsverletzung begeht.\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><a href=\"\/\/660371C0-362D-4AE1-9B75-333326D76450#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8211; Zur datenschutzrechtlichen Zul\u00e4ssigkeit der Street Photography &#8211; Der\u00a0Hamburgische Landesdatenschutzbeauftragte stellte in seinem T\u00e4tigkeitsbericht 2020 fest: &#8222;Es kommt immer wieder vor, dass Menschen sich gegenseitig filmen.&#8220;\u00a0Und er zieht daraus Konsequenzen und verh\u00e4ngt regelm\u00e4\u00dfig Bu\u00dfgelder gegen Personen, die andere fotografieren oder filmen.\u00a0Das Amtsgericht Hamburg best\u00e4tigte ihn darin. Auch die nieders\u00e4chsische Datenschutzaufsicht\u00a0verh\u00e4ngt entsprechende Bu\u00dfgelder. 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