{"id":5641,"date":"2021-01-14T11:22:37","date_gmt":"2021-01-14T10:22:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cr-online.de\/blog\/?p=5641"},"modified":"2021-01-15T09:08:35","modified_gmt":"2021-01-15T08:08:35","slug":"schwerer-fehler-des-bundesgesundheitsministers-meldedaten-duerfen-nicht-fuer-impf-einladungen-verwendet-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cr-online.de\/blog\/2021\/01\/14\/schwerer-fehler-des-bundesgesundheitsministers-meldedaten-duerfen-nicht-fuer-impf-einladungen-verwendet-werden\/","title":{"rendered":"Schwerer Fehler des Bundesgesundheitsministers: Meldedaten d\u00fcrfen nicht f\u00fcr &#8222;Impf-Einladungen&#8220; verwendet werden"},"content":{"rendered":"<p>In Niedersachsen ist das Melderegister f\u00fcr die Gesundheitsverwaltung der Bundesl\u00e4nder tabu. Um Senioren zu Impfterminen einzuladen, beschaffen sich daher die Beh\u00f6rden Adressverzeichnisse der <em>Deutschen Post<\/em> und versuchen, anhand altmodisch klingender Vornamen Senioren zu identifizieren. Dies liegt an einem Vers\u00e4umnis des <em>Bundesgesundheitsministers<\/em>:\u00a0Er hat\u00a0es vers\u00e4umt, eine Abfragebefugnis in die Coronavirus-Impfverordnung (CoronaImpfV) einzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Auf der Website des Landes Niedersachsen hei\u00dft es hierzu:<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"c2\" style=\"padding-left: 30px;\">&#8222;Aufgrund rechtlicher H\u00fcrden kann das Land die Adressen der Impfberechtigten aus dem amtlichen Melderegister f\u00fcr diese Anschreiben leider nicht verwenden. Aus diesem Grund greift Niedersachsen auf die Vermietdatenbank der Deutschen Post Direkt GmbH zur\u00fcck, die die hohen Anspr\u00fcche an den Datenschutz erf\u00fcllt, aber nicht vollst\u00e4ndig ist. Es werden deshalb nicht alle Nieders\u00e4chsinnen und Niedersachsen, die \u00e4lter sind als 80 Jahre, einen Brief erhalten.&#8220;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.niedersachsen.de\/Coronavirus\/antworten_auf_haufig_gestellte_fragen_faq\/faq-impfung-195559.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Covid-19 Impfung\u00a0&#8211;\u00a0Antworten\u00a0auf\u00a0h\u00e4ufig\u00a0gestellte\u00a0Fragen\u00a0(zu\u00a0Frage\u00a0&#8222;1.\u00a0Wann\u00a0starten\u00a0die\u00a0Impfungen\u00a0gegen\u00a0Covid-19?&#8220; im kursiven Absatz <em>&#8222;Wichtig: &#8230;&#8220;<\/em>; Satz 1 wurde auf der Zielseite\u00a0nachtr\u00e4glich leicht modifiziert)<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Regelung fehlt:<\/span>\u00a0 Dies kann man durchaus als &#8222;Datenschutz-Wahnsinn&#8220; bezeichnen (<a href=\"https:\/\/www.bild.de\/bild-plus\/sparfochs\/bild-kaempft\/sparfochs\/datenschutz-wahnsinn-bei-impf-briefen-laender-muessen-sich-adressen-von-der-post-74875964,view=conversionToLogin.bild.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Ochse\/Wiegers<\/em>, &#8222;L\u00e4nder m\u00fcssen sich Adressen von der Post holen&#8220;, Bild v. 13.1.2021<\/a>). Bei n\u00e4herer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass Schlampigkeit am Werk war, denn der Gesundheitsminister h\u00e4tte Meldeabfragen ohne Weiteres in der CoronaImpfV regeln k\u00f6nnen, ohne dass die DSGVO in irgendeiner Weise im Wege gestanden h\u00e4tte, Art. 6 Abs. 1 Satz 1 lit. c) und e) DSGVO. Eine solche Regelung, die f\u00fcr beh\u00f6rdliche Abfragebefugnisse notwendig ist, fehlt jedoch.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Grund:<\/span>\u00a0 Datenschutz ist oft kleinlich-b\u00fcrokratisch. Und es ist nicht leicht zu verstehen, dass \u00a7 34 Abs. 1 Bundesmeldegesetz (BMG) den Meldebeh\u00f6rden die \u00dcbermittlung von Adressdaten an andere Beh\u00f6rden erlaubt. Aus einer solchen Erlaubnis folgt jedoch noch keine Befugnis der Gesundheits\u00e4mter, Meldedaten auch\u00a0tats\u00e4chlich abzufragen. Dies ergibt sich klipp und klar aus der <span style=\"text-decoration: underline;\">&#8222;Doppelt\u00fcr&#8220;-Rechtsprechung des BVerfG<\/span>, die Karlsruhe zuletzt in der &#8222;Bestandsdatenauskunft II&#8220;-Entscheidung vom 27.5.2020 best\u00e4tigt hat (<a href=\"https:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Entscheidungen\/DE\/2020\/05\/rs20200527_1bvr187313.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BVerfG, Urt. v. 27.5.2020 &#8211; 1 BvR 1873\/13<\/a>).<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Verbindliche verfassungsrechtliche Vorgabe:<\/span>\u00a0 Man mag die &#8222;Doppelt\u00fcr&#8220;-Rechtsprechung des BVerfG kritisch sehen und f\u00fcr \u00fcbertrieben halten. Sie ist jedoch geltendes Recht und h\u00e4tte daher bei der Abfassung der CoronaImpfV beachtet werden m\u00fcssen. Ein sorgf\u00e4ltig formulierter Absatz h\u00e4tte gen\u00fcgt.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Vorwerfbarkeit:<\/span>\u00a0 Dass der Absatz vergessen wurde, kann man weder &#8222;dem Datenschutz&#8220; noch den Bundesl\u00e4ndern und deren Gesundheitsverwaltung anlasten. Verantwortlich f\u00fcr das Vers\u00e4umnis ist einzig und ausschlie\u00dflich das <em>Bundesgesundheitsministerium<\/em>.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Fazit:<\/span>\u00a0 Der Vorgang zeigt, dass Schlampigkeit bei der Formulierung von Rechtsverordnungen weitreichende Folgen haben kann. Auch aus diesem Grund w\u00e4re die <em>Gro\u00dfe Koalition<\/em> gut beraten gewesen, auf Expertinnen wie <em>Andrea Kie\u00dfling<\/em> zu h\u00f6ren und die Corona-Impfungen gesetzlich zu regeln. Es war keine gute Idee, die Regelungsbefugnis an den <em>Bundesgesundheitsminister<\/em> zu delegieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Niedersachsen ist das Melderegister f\u00fcr die Gesundheitsverwaltung der Bundesl\u00e4nder tabu. Um Senioren zu Impfterminen einzuladen, beschaffen sich daher die Beh\u00f6rden Adressverzeichnisse der Deutschen Post und versuchen, anhand altmodisch klingender Vornamen Senioren zu identifizieren. Dies liegt an einem Vers\u00e4umnis des Bundesgesundheitsministers:\u00a0Er hat\u00a0es vers\u00e4umt, eine Abfragebefugnis in die Coronavirus-Impfverordnung (CoronaImpfV) einzuf\u00fcgen. 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