{"id":5417,"date":"2020-08-17T18:58:33","date_gmt":"2020-08-17T17:58:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cr-online.de\/blog\/?p=5417"},"modified":"2020-08-18T09:57:37","modified_gmt":"2020-08-18T08:57:37","slug":"zweite-welle-der-corona-massnahmen-kontaktdaten-risikogebiete-feiern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cr-online.de\/blog\/2020\/08\/17\/zweite-welle-der-corona-massnahmen-kontaktdaten-risikogebiete-feiern\/","title":{"rendered":"Zweite Welle der Corona-Ma\u00dfnahmen: Kontaktdaten, Risikogebiete, Feiern"},"content":{"rendered":"<p>Aus Sorge vor steigenden Infektionszahlen werden derzeit in ganz Europa die Corona-Ma\u00dfnahmen versch\u00e4rft. F\u00fcr Spanien gilt jetzt\u00a0 eine \u201eReisewarnung\u201c. Die <em>Deutsche Bahn<\/em> bietet \u2013 noch freiwillig \u2013 allen Reisenden, die aus \u201eRisikogebieten\u201c einreisen, die Hinterlegung von Kontaktdaten an (<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/mobilitaet\/2020-08\/deutsche-bahn-reisende-risikogebiete-online-formular-coronavirus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Bahnfahrer aus Risikogebieten sollen Onlineformular ausf\u00fcllen&#8220;, ZEIT ONLINE v. 13.8.2020<\/a>). Gesundheitsminister <em>Spahn<\/em> warnt vor privaten Feierlichkeiten (<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/corona-spahn-warnung-feiern-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Spahn sieht Feiern als Gefahrenquellen&#8220;, tagesschau.de v. 17.8.2020<\/a>).<\/p>\n<p>Neue Beschr\u00e4nkungen sind mit erneuten Grundrechtseingriffen verbunden. Was sind eigentlich die Rechtsgrundlagen? Was sagen die Verwaltungsgerichte? Und wie lange schweigt Karlsruhe noch?<\/p>\n<p><strong>Reisewarnungen<\/strong><\/p>\n<p>Das <em>Ausw\u00e4rtige Amt<\/em> warnt seit dem vergangenen Wochenende vor Reisen nach Spanien:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">\u201e<strong>Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Spanien<\/strong> mit Ausnahme der Kanarischen Inseln <strong>wird<\/strong> derzeit aufgrund hoher Infektionszahlen <strong>gewarnt<\/strong>.\u201c<br \/>\n(<a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/de\/aussenpolitik\/laender\/spanien-node\/spaniensicherheit\/210534\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ausw\u00e4rtiges Amt, &#8222;Spanien: Reise- und Sicherheitshinweise&#8220;, Stand 18.8.2020<\/a>)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Rechtsgrundlage?<\/span> \u00a0F\u00fcr derartige Reisewarnung des <em>Ausw\u00e4rtigen Amtes<\/em> fehlt es an jeglicher Rechtsgrundlage. Ob eine solche Rechtsgrundlage erforderlich ist, ist bislang ungekl\u00e4rt.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Ansatz des BVerfG:<\/span> \u00a0Nach der \u201eGlykol\u201c-Rechtsprechung des BVerfG ist eine staatliche Beh\u00f6rde zu einer marktbezogenen Information der \u00d6ffentlichkeit berechtigt, wenn<\/p>\n<ul>\n<li>die Beh\u00f6rde sich auf das Vorliegen einer <span style=\"text-decoration: underline;\">staatlichen Aufgabe<\/span> berufen kann;<\/li>\n<li>die <span style=\"text-decoration: underline;\">Zust\u00e4ndigkeitsordnung<\/span> eingehalten wird;<\/li>\n<li>die <span style=\"text-decoration: underline;\">Richtigkeit &amp; Sachlichkeit<\/span> der Informationen gew\u00e4hrleistet ist und<\/li>\n<li>die staatliche \u00d6ffentlichkeitsarbeit in der Zielsetzung und ihren Wirkungen <span style=\"text-decoration: underline;\">kein Ersatz f\u00fcr eine staatliche Ma\u00dfnahme<\/span> ist, die als Grundrechtseingriff zu qualifizieren w\u00e4re.<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote><p>(<a href=\"https:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Entscheidungen\/DE\/2002\/06\/rs20020626_1bvr055891.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BVerfG v. 26.6.2002 &#8211; \u2013 1 BvR 558\/91, 1 BvR 1428\/91, BVerfGE 105, 252, Rz. 49 ff. \u2013 Gykolwarnung<\/a>;<br \/>\nvgl. auch <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/dokument?id=cr.2011.09.a.04\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>H\u00e4rting<\/em>, &#8222;\u00d6ffentlichkeitsarbeit einer Landesregierung&#8220;, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/suche?q=%5B%7B%22txt%22:%22pubyear:2011%22%7D,%7B%22txt%22:%22source_page:585%22%7D,%7B%22txt%22:%22all_source_2:cr%22%7D%20%5D\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">CR 2011, 585<\/a>-588<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Marktbezug:<\/span> \u00a0Der Marktbezug einer Reiswarnung liegt auf der Hand. Nicht nur spanische Hoteliers werden die Folgen der Reiswarnung zu sp\u00fcren bekommen. Auch deutsche Reiseveranstalter sind von Stornierungen und ge\u00e4nderten Reisepl\u00e4nen deutscher Urlauber nachhaltig betroffen. Nach dem Pauschalreiserecht ist eine amtliche \u201eWarnung\u201c in starkes Indiz f\u00fcr eine \u201eerhebliche Beeintr\u00e4chtigung\u201c der Reise, die den Reisenden \u2013 kostenfrei \u2013 zum R\u00fccktritt vom Reisevertrag berechtigt (\u00a7 651h Abs. 3 Satz 1 BGB, vgl. <em>F\u00fchrich<\/em>, NJW 2020, 2137 ff.). Das <em>Ausw\u00e4rtige Amt<\/em> weist Reisende auf der eigenen Website ausdr\u00fccklich auf diese Rechtsfolgen hin (<a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/de\/service\/fragenkatalog-node\/05-reiseruecktritt\/606072\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Ausw\u00e4rtiges Amt<\/em>, FAQ, &#8222;Ich habe eine Auslandsreise gebucht, f\u00fchle mich jetzt aber nicht mehr sicher. Kann ich ohne Kosten f\u00fcr mich von der Reise zur\u00fccktreten?&#8220;<\/a>).<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Grundrechtseingriffe:<\/span> \u00a0Wegen der einschneidenden Folgen von Reisewarnungen w\u00e4re es gewiss zu begr\u00fc\u00dfen, wenn die Befugnisse des <em>Ausw\u00e4rtigen Amtes<\/em>, derartige Warnungen auszusprechen, auf eine gesetzliche Grundlage gestellt w\u00fcrden. Die Reisewarnungen sind von dem ersichtlichen Ziel getragen, B\u00fcrger von Reisen in das jeweilige Land abzuhalten und damit in ihrem Grundrecht aus <span style=\"text-decoration: underline;\">Art. 2 Abs. 1 GG<\/span> (allgemeine Handlungsfreiheit) einzuschr\u00e4nken. Wie die Hinweise des <em>Ausw\u00e4rtigen Amtes<\/em> auf dessen eigener Website zeigen, zielen die Reisewarnungen zudem darauf ab, Reisenden die kostenfreie Stornierung von Reisebuchungen zu erleichtern. Dies greift in Grundrechte der Reiseveranstalter ein (<span style=\"text-decoration: underline;\">Art. 12 und 14 GG<\/span>).<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Ansatz des VG Berlin:<\/span> \u00a0Es ist bislang erst ein Fall bekannt geworden, in dem Reiseunternehmen gegen eine Corona-Reisewarnung des <em>Ausw\u00e4rtigen Amtes<\/em> gerichtlich vorgegangen sind. Jedenfalls in erster Instanz ohne Erfolg, da das VG Berlin die Auffassung vertrat, dass es an einer Befugnis der Antragstellerinnen fehle, den Erlass einer einstweiligen Anordnung (\u00a7 123 VwGO) zu verlangen. Das VG Berlin st\u00fctzte seine Entscheidung vor allem darauf, dass sich die streitige <span style=\"text-decoration: underline;\">Reisewarnung nicht konkret<\/span> auf Reisen der beiden Antragstellerinnen bezog. Damit unterscheide sich der Fall von den F\u00e4llen der Glykol-Rechtsprechung des BVerfG. Zudem handele es sich bei einer Reisewarnung um eine<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 60px;\">\u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">blo\u00dfe Empfehlung<\/span> an die in Deutschland lebenden potentiellen Reisenden\u201c<br \/>\n(<a href=\"https:\/\/www.berlin.de\/gerichte\/verwaltungsgericht\/presse\/pressemitteilungen\/2020\/34-l-0225-20-200710-beschluss-eilverfahren-anonymisiert.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">VG Berlin v. 10.7.2020 &#8211; VG 34 L 225\/20, Seite 6<\/a>; Hervorhebung hinzugef\u00fcgt).<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Auslegung:<\/span> \u00a0Schon sprachlich ist eine \u201eWarnung\u201c etwas Anderes als eine \u201eEmpfehlung\u201c. Die n\u00e4chsten Wochen werden zudem mit Sicherheit zeigen, dass es nicht allzu viele B\u00fcrger geben wird, die sich \u00fcber eine solche \u201eWarnung\u201c hinwegsetzen und eine Spanienreise antreten. Daher \u00fcberzeugt die Argumentation des VG Berlin nicht. Am wenigsten \u00fcberzeugt die enge Auslegung der Rechtsprechung des BVerfG. Wenn das Informationshandeln einer staatlichen Beh\u00f6rde <span style=\"text-decoration: underline;\">grundrechtsgebunden<\/span> ist, sobald vor Produkten einzelner (namentlich genannter) Unternehmen gewarnt wird, muss dies <span style=\"text-decoration: underline;\">erst recht<\/span> gelten, wenn die Warnung <span style=\"text-decoration: underline;\">Produkte (Reisen) einer ganzen Branche<\/span> betrifft.<\/p>\n<p><strong>Quarant\u00e4ne<\/strong><\/p>\n<p>Seit Beginn der Corona-Krise gibt es in allen Bundesl\u00e4ndern Bestimmungen, die B\u00fcrger zur h\u00e4uslichen Quarant\u00e4ne verpflichten, wenn sie aus bestimmten \u201eRisikogebieten\u201c nach Deutschland einreisen. S\u00e4mtliche dieser Bestimmungen finden sich in Rechtsverordnungen, die sich auf \u00a7 32 Infektionsschutzgesetz (IfSG) st\u00fctzen:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>\u201eDie Landesregierungen werden erm\u00e4chtigt, unter den Voraussetzungen, die f\u00fcr Ma\u00dfnahmen nach den \u00a7\u00a7 28 bis 31 ma\u00dfgebend sind, auch durch Rechtsverordnungen entsprechende Gebote und Verbote zur Bek\u00e4mpfung \u00fcbertragbarer Krankheiten zu erlassen. Die Landesregierungen k\u00f6nnen die Erm\u00e4chtigung durch Rechtsverordnung auf andere Stellen \u00fcbertragen. Die Grundrechte der <span style=\"text-decoration: underline;\">Freiheit der Person<\/span> (Artikel 2 Abs. 2 Satz 2 Grundgesetz), der <span style=\"text-decoration: underline;\">Freiz\u00fcgigkeit<\/span> (Artikel 11 Abs. 1 Grundgesetz), der <span style=\"text-decoration: underline;\">Versammlungsfreiheit<\/span> (Artikel 8 Grundgesetz), der <span style=\"text-decoration: underline;\">Unverletzlichkeit der Wohnung<\/span> (Artikel 13 Abs. 1 Grundgesetz) und des <span style=\"text-decoration: underline;\">Brief- und Postgeheimnisses<\/span> (Artikel 10 Grundgesetz) k\u00f6nnen insoweit eingeschr\u00e4nkt werden.\u201c<br \/>\n<\/em>(Hervorhebungen hinzugef\u00fcgt)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Ansteckungsverdacht:<\/span> \u00a0Die Voraussetzungen f\u00fcr die Anordnung h\u00e4uslicher Quarant\u00e4ne finden sich in \u00a7 30 IfSG. Eine Quarant\u00e4ne setzt danach (mindestens) einen \u201eAnsteckungsverdacht\u201c voraus. Nach \u00a7 2 Nr. 7 IfSG ist eine Person ansteckungsverd\u00e4chtig, wenn anzunehmen ist, dass sie Krankheitserreger aufgenommen hat. Erforderlich und ausreichend ist, dass die Annahme, der Betroffene habe Krankheitserreger aufgenommen, wahrscheinlicher ist als das Gegenteil (<a href=\"https:\/\/www.bverwg.de\/220312U3C16.11.0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BVerwG v. 22.3.2012, Az. 3 C 16\/11, Rz. 31<\/a>).<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Zweierlei Ma\u00df:<\/span> \u00a0Dass ein Reisender, der sich \u2013 wom\u00f6glich nur kurzzeitig \u2013 in Spanien aufgehalten hat, schon deshalb mit \u00fcberwiegender Wahrscheinlichkeit mit Corona infiziert hat, l\u00e4sst sich schlechterdings nicht behaupten. Die Corona-Verordnungen, die derzeit bei einem Anteil von 50 Infizierten pro 100.000 Einwohner eine Quarant\u00e4nepflicht anordnen (alternativ zu einem negativen Test), legen die Schwelle viel niedriger, als dies in \u00a7 30 IfSG vorgesehen sind, und entfernen sich damit weit von den gesetzlichen Vorgaben.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Ansatz des OVG Schleswig:<\/span> \u00a0Das OVG Schleswig hat eine solche Abweichung in einem Eilverfahren dennoch gebilligt und es f\u00fcr zul\u00e4ssig erachtet, eine Quarant\u00e4ne schon per Rechtsverordnung nach den \u00a7\u00a7 32 und 30 IfSG anzuordnen, wenn sich eine Ansteckung des Reisenden nicht ausschlie\u00dfen l\u00e4sst:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>\u201eEs ist <span style=\"text-decoration: underline;\">nahezu ausgeschlossen<\/span>, die Kontakte einer einreisenden Person vor ihrer Einreise in jedem Einzelfall zu rekonstruieren, um so den <span style=\"text-decoration: underline;\">Ansteckungsverdacht ausr\u00e4umen zu k\u00f6nnen<\/span>. Auch ergeben sich insbesondere bei Einreise auf dem Luftweg <span style=\"text-decoration: underline;\">Unw\u00e4gbarkeiten<\/span> aus dem Reiseverlauf selbst. In der Regel wird auf der Reise eine <span style=\"text-decoration: underline;\">ausreichende k\u00f6rperliche Distanz zu Mitreisenden<\/span> sowohl im Transportmittel selbst als auch in Wartebereichen nicht immer m\u00f6glich sein. Selbst wenn also eine Person aus einem Land einreist, in dem das Coronavirus nicht weit verbreitet ist, kann eine <span style=\"text-decoration: underline;\">\u00dcbertragung auf dem Reiseweg<\/span> durch Kontakt mit aus anderen L\u00e4ndern reisenden infizierten aber noch nicht erkrankten Personen unbemerkt stattfinden.\u201c<br \/>\n<\/em>(<a href=\"http:\/\/www.gesetze-rechtsprechung.sh.juris.de\/jportal\/portal\/t\/2o3m\/page\/bsshoprod.psml;jsessionid=C7DDBE0C3F649416A2D2BE582B113E12.jp14?pid=Dokumentanzeige&amp;showdoccase=1&amp;js_peid=Trefferliste&amp;documentnumber=1&amp;numberofresults=1&amp;fromdoctodoc=yes&amp;doc.id=MWRE200002104%3Ajuris-r02&amp;doc.part=L&amp;doc.price=0.0&amp;doc.hl=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">OVG Schleswig v. 25.5.2020 &#8211; 3 MR 32\/20, Rz. 19<\/a>\u00a0zur Anordnung h\u00e4uslicher Quarant\u00e4ne nach Einreise aus den USA &#8211; Hervorhebungen hinzugef\u00fcgt; \u00e4hnlich <a href=\"http:\/\/www.rechtsprechung.niedersachsen.de\/jportal\/portal\/page\/bsndprod.psml?doc.id=MWRE200002147&amp;st=null&amp;showdoccase=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">OVG L\u00fcneburg v. 5.6.2020 &#8211; 13 MN 195\/20<\/a>; <a href=\"http:\/\/www.justiz.nrw.de\/nrwe\/ovgs\/ovg_nrw\/j2020\/13_B_776_20_NE_Beschluss_20200605.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">OVG M\u00fcnster v. 13.7.2020 &#8211; 13 B 968\/20.NE<\/a>;<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\">anders noch<\/span> <a href=\"http:\/\/www.rechtsprechung.niedersachsen.de\/jportal\/portal\/page\/bsndprod.psml?doc.id=MWRE200001695&amp;st=null&amp;showdoccase=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">OVG L\u00fcneburg v. 11.5.2020 &#8211; 13 MN 143\/20<\/a>; <a href=\"http:\/\/www.justiz.nrw.de\/nrwe\/ovgs\/ovg_nrw\/j2020\/13_B_776_20_NE_Beschluss_20200605.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">OVG M\u00fcnster v. 5.6.2020 &#8211; 13 B 776\/20.NE<\/a>;<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\">vgl. auch<\/span> <a href=\"http:\/\/lrbw.juris.de\/cgi-bin\/laender_rechtsprechung\/document.py?Gericht=bw&amp;nr=31809\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">VGH Mannheim v. 16.7.2020 &#8211; 1 S 1792\/20<\/a>; <a href=\"http:\/\/www.vgwe.thueringen.de\/webthfj\/webthfj.nsf\/BEAB7D8C9133EE5FC125858C00470163\/$File\/20-3EN-00375-B-A.pdf?OpenElement\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">OVG Weimar vom 15.6.2020, Az. 3 EN 375\/20<\/a>)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Auslegung:<\/span> \u00a0Wenn es ausreichen w\u00fcrde, einen Reisenden schon dann als \u201eansteckungsverd\u00e4chtig\u201c anzusehen, sobald sich eine Ansteckung nicht ausschlie\u00dfen l\u00e4sst, k\u00f6nnte man dem OVG Schleswig folgen. Der Begriff des Ansteckungsverdachts ist indes <span style=\"text-decoration: underline;\">in \u00a7 2 Nr. 7 IfSG gesetzlich definiert<\/span>, sodass man dem schleswig-holsteinischen Gericht (wie auch leider anderen Oberverwaltungsgerichten) den Vorwurf nicht ersparen kann, sich <span style=\"text-decoration: underline;\">\u00fcber den Wortlaut der Norm hinwegzusetzen<\/span>. Ein Ruhmesblatt f\u00fcr die Verwaltungsgerichtsbarkeit ist eine solche Rechtsprechung gewiss nicht.<\/p>\n<p><strong>Risikogebiete<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Schwellenwert f\u00fcr Quarant\u00e4ne:<\/span> \u00a0Dass die Corona-Verordnungen der Bundesl\u00e4nder bei der Bestimmung der Quarant\u00e4ne-Voraussetzungen derzeit an eine Kennziffer von 50 Infizierten pro 100.000 Einwohner in dem jeweiligen Reiseland ankn\u00fcpfen, beruht auf einer \u00dcbereinkunft, die die Bundesl\u00e4nder im Mai getroffen haben. Die Feststellung, ob die Kennzahl erreicht ist, hat man dabei einer \u201egemeinsamen Analyse und Entscheidung durch das <em>Bundesministerium f\u00fcr Gesundheit<\/em>, das <em>Ausw\u00e4rtige Amt<\/em> und das <em>Bundesministerium des Innern, f\u00fcr Bau und Heimat<\/em>\u201c \u00fcberlassen. Dem <em>Robert-Koch-Institut<\/em>, das die Liste der \u201eRisikogebiete\u201c ver\u00f6ffentlicht und fortlaufend analysiert, kommt dabei eine Schl\u00fcsselrolle zu.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Schwellenwert f\u00fcr Zwangstests:<\/span> \u00a0Das <em>Bundesgesundheitsministerium<\/em> hat der Einstufung als \u201eRisikogebiet\u201c unl\u00e4ngst noch weitere Bedeutung verliehen, indem es f\u00fcr Einreisende aus diesen Gebieten eine Testpflicht einschlie\u00dflich der m\u00f6glichen Anordnung von Zwangstests verliehen hat (<a href=\"https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/fileadmin\/Dateien\/3_Downloads\/C\/Coronavirus\/Testpflicht_Risikogebiete_VO_BAnz_AT_070820.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BMG, &#8222;Verordnung\u00a0zur Testpflicht von Einreisenden aus Risikogebieten&#8220; v. 6.8.2020<\/a>).<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Grundrechtseingriffe:<\/span> \u00a0Die Einordnung als \u201eRisikogebiet\u201c hat demnach gravierende Folgen f\u00fcr die Reisenden und ist von hoher Grundrechtsrelevanz bis hin zu Eingriffen in die <span style=\"text-decoration: underline;\">k\u00f6rperliche Unversehrtheit (Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG)<\/span>. Es ist schwer vorstellbar, dass das BVerfG es eines Tages einmal billigen wird, dass derartig schwerwiegende Eingriffe in Grundrechte zahlreicher Betroffener auf der Grundlage verschachtelter Verordnungserm\u00e4chtigungen vorgenommen und die entscheidenden Festsetzungen letztlich an das <em>Robert-Koch-Institut<\/em> delegiert werden, eine dem <em>Bundesgesundheitsministerium<\/em> nachgeordnete Bundesbeh\u00f6rde.<\/p>\n<p><strong>Kontaktdaten<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Datenhunger:<\/span> \u00a0Wenn man die \u2013 von den Verwaltungsgerichten weitgehend gebilligte \u2013 Praxis der Grundrechtsbeschr\u00e4nkungen auf dem kurzen Verordnungsweg auf sich wirken l\u00e4sst, \u00fcberrascht es nur wenig, dass der Datenhunger der Exekutive w\u00e4chst und sich das <span style=\"text-decoration: underline;\">Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung<\/span> (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG) derzeit als zu leichtgewichtig erweist, um diesen Datenhunger zu bremsen.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Ansatz der Verwaltungsgerichte:<\/span> \u00a0Die fl\u00e4chendeckende Sammlung von Kontaktdaten, die auch vor Bordellen, Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen nicht Halt macht, ist von den Verwaltungsgerichten in Eilverfahren bislang durchgehend gebilligt worden (vgl. nur <a href=\"http:\/\/lrbw.juris.de\/cgi-bin\/laender_rechtsprechung\/document.py?Gericht=bw&amp;nr=31735\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">VGH Mannheim v. 25.6.2020 &#8211; 1 S 1739\/20<\/a>; <a href=\"http:\/\/www.justiz.nrw.de\/nrwe\/ovgs\/ovg_nrw\/j2020\/13_B_695_20_NE_Beschluss_20200623.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">OVG M\u00fcnster v. 23.6.2020, Az. 13 B 695\/20.NE<\/a>). Dies obwohl sich die <span style=\"text-decoration: underline;\">Erfassungspflicht<\/span> lediglich darauf st\u00fctzen kann, dass es sich um eine \u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">notwendige Schutzma\u00dfnahme<\/span>\u201c im Sinne des \u00a7 28 Abs. 1 IfSG handelt.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">\u00dcberraschungsmoment:<\/span> \u00a0Welcher Datenschutzexperte h\u00e4tte sich vor der Corona-Krise vorstellen k\u00f6nnen, dass die ver\u00e4stelten Anforderungen des BVerfG an Rechtsgrundlagen zur Datenerfassung innerhalb k\u00fcrzester Zeit derartig verfl\u00fcchtigen k\u00f6nnen? Wer h\u00e4tte gedacht, dass aus Datenschutzbeh\u00f6rden und von eingefleischten Datensch\u00fctzern so wenig Widerspruch zu h\u00f6ren ist, wenn Polizisten und Staatsanw\u00e4lte Zugriff auf Kontaktdaten nehmen (vgl. <a href=\"https:\/\/www.cr-online.de\/blog\/2020\/08\/02\/corona-ohne-doppeltuer-warum-die-vorschriften-zur-sammlung-von-kontaktdaten-in-der-gastronomie-verfassungswidrig-sind\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>H\u00e4rting<\/em>, &#8222;Corona ohne \u201cDoppelt\u00fcr\u201d: Warum die Vorschriften zur Sammlung von Kontaktdaten in der Gastronomie verfassungswidrig sind.&#8220;, CRonline Blog v. 2.8.2020<\/a>)?<\/p>\n<p><strong>What next? \u2013 Warten auf Karlsruhe<\/strong><\/p>\n<p>Es ist nur eine Frage der Zeit, dass Forderungen nach der Erfassung der Daten von Reisenden laut werden. Warum sollen ein Caf\u00e9besuch und der Besuch eines Fitnessstudios mit Datum und Uhrzeit erfasst werden, nicht jedoch die Reise per Bus oder Bahn?<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Warten auf&#8217;s BVerfG &#8230;<\/span>\u00a0 Nur ein kl\u00e4rendes Wort aus Karlsruhe wird die wachsende \u00dcbergriffigkeit staatlicher Beh\u00f6rden und deren Datenhunger bremsen k\u00f6nnen. Vom BVerfG hat man allerdings zu Corona seit April nichts Nennenswertes mehr geh\u00f6rt. Es ist zu hoffen, dass sich dies bald einmal \u00e4ndert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus Sorge vor steigenden Infektionszahlen werden derzeit in ganz Europa die Corona-Ma\u00dfnahmen versch\u00e4rft. F\u00fcr Spanien gilt jetzt\u00a0 eine \u201eReisewarnung\u201c. Die Deutsche Bahn bietet \u2013 noch freiwillig \u2013 allen Reisenden, die aus \u201eRisikogebieten\u201c einreisen, die Hinterlegung von Kontaktdaten an (&#8222;Bahnfahrer aus Risikogebieten sollen Onlineformular ausf\u00fcllen&#8220;, ZEIT ONLINE v. 13.8.2020). Gesundheitsminister Spahn warnt vor privaten Feierlichkeiten (&#8222;Spahn [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,34,9,51],"tags":[782,203,780,504,374,501],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.cr-online.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5417"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.cr-online.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.cr-online.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cr-online.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cr-online.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5417"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.cr-online.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5417\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5420,"href":"https:\/\/www.cr-online.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5417\/revisions\/5420"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.cr-online.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5417"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cr-online.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5417"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cr-online.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5417"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}