{"id":4051,"date":"2018-08-21T09:07:26","date_gmt":"2018-08-21T08:07:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cr-online.de\/blog\/?p=4051"},"modified":"2018-08-21T09:07:26","modified_gmt":"2018-08-21T08:07:26","slug":"it-sicherheitsrecht-datenschutzrechtliche-it-sicherheitsvorgaben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cr-online.de\/blog\/2018\/08\/21\/it-sicherheitsrecht-datenschutzrechtliche-it-sicherheitsvorgaben\/","title":{"rendered":"IT-Sicherheitsrecht:  Datenschutzrechtliche IT-Sicherheitsvorgaben"},"content":{"rendered":"<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Pflichten und Haftung im Unternehmen (mit DSGVO &amp; NIS-RL-UmsetzungsG). Der Praxisleitfaden liefert praxisorientierte Hinweise zur Einhaltung der anwendbaren IT-Sicherheitspflichten und zu den Haftungsrisiken bei Sicherheitsdefiziten. Hier im Blog werden einige zentrale Ausz\u00fcge ver\u00f6ffentlicht.<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Voigt, <\/em>IT-Sicherheitsrecht, 2018, 287 Seiten, 79,80 Euro<\/p>\n<p>Die Anforderungen an <span style=\"text-decoration: underline;\">IT-Sicherheitsstandards<\/span> in Bezug auf den Umgang mit personenbezogenen Daten <span style=\"text-decoration: underline;\">sind besonders hoch<\/span>. Das Datenschutzrecht gibt dabei nicht nur konkrete Schutzma\u00dfnahmen f\u00fcr die Datenverarbeitung vor, sondern sieht gegen\u00fcber Aufsichtsbeh\u00f6rden und betroffenen Personen insbesondere auch Meldepflichten f\u00fcr den Fall von Datenschutzverletzungen vor (hierzu <em>Voigt<\/em>, IT-Sicherheitsrecht, 2018, Rz. 332 ff.).<\/p>\n<p>Um die Sicherheit personenbezogener Daten zu gew\u00e4hrleisten, m\u00fcssen Unternehmen <span style=\"text-decoration: underline;\">technische und organisatorische Schutzma\u00dfnahmen<\/span> bei der Datenverarbeitung einsetzen. Der gesetzliche Pflichtenumfang folgt dabei einem <span style=\"text-decoration: underline;\">risikobasierten Ansatz<\/span>:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 90px;\">Je mehr Risiken die Verarbeitung f\u00fcr die betroffenen Personen und ihre Daten mit sich bringt, desto umfangreichere Schutzma\u00dfnahmen m\u00fcssen zum Einsatz kommen.<\/p>\n<p>Der <span style=\"text-decoration: underline;\">Pflichtenumfang<\/span> f\u00fcr Unternehmen ist somit <span style=\"text-decoration: underline;\">einzelfallabh\u00e4ngig<\/span>, was zu erheblicher Rechtsunsicherheit f\u00fchrt. Es f\u00e4llt schwer, ein generelles Programm an datenschutzrechtlichen IT-Sicherheitspflichten abzulesen, so dass die Umsetzung der Vorgaben der DSGVO Unternehmen vor einige Herausforderungen stellt.<\/p>\n<p><strong>1. Technische und organisatorische Ma\u00dfnahmen<\/strong><\/p>\n<p>Verantwortliche und Auftragsverarbeiter sind zur Anwendung technischer und organisatorischer Ma\u00dfnahmen (TOM)\u00a0zum Schutz personenbezogener Daten verpflichtet, die dem Risiko der durchgef\u00fchrten Verarbeitungst\u00e4tigkeiten entsprechen, Art.\u00a024 Abs.\u00a01, 28 Abs.\u00a01, 32 DSGVO. Unternehmen obliegt es daher auch, den Einsatz entsprechender Ma\u00dfnahmen durch alle an der Verarbeitung beteiligten Mitarbeiter sicherzustellen, Art.\u00a032 Abs.\u00a04 DSGVO. Die Ma\u00dfnahmen dienen vorrangig der <span style=\"text-decoration: underline;\">Datensicherheit<\/span>, also dem umfassenden Schutz der zur Verarbeitung eingesetzten IT und Systeme (<em>Mantz<\/em> in Sydow, DSGVO, 2017, Art.\u00a032 Rz.\u00a01).<\/p>\n<p><strong>a) Ma\u00dfgebliche Gesichtspunkte:<\/strong><\/p>\n<p>Welche TOM im konkreten Fall angemessen sind, muss das Unternehmen im Wege einer <span style=\"text-decoration: underline;\">umfassenden objektiven Risikoabw\u00e4gung<\/span> ermitteln (<em>Voigt\/von dem Bussche<\/em>, DSGVO, 2018, Teil\u00a03.3.3 m.w.N.). Das Gesetz nennt dar\u00fcber hinaus in Art.\u00a032 Abs.\u00a01 DSGVO weitere Gesichtspunkte zur Ermittlung angemessener Schutzma\u00dfnahmen:<\/p>\n<ul>\n<li>den Stand der Technik,<\/li>\n<li>die Implementierungskosten und<\/li>\n<li>die Art, den Umfang, die Umst\u00e4nde und Zwecke der Verarbeitung sowie<\/li>\n<li>die unterschiedliche Eintrittswahrscheinlichkeit und Schwere des Risikos f\u00fcr die Rechte und Freiheiten der betroffenen Personen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>b) Praktische Vorgehensweise:<\/strong><\/p>\n<p>Zur praktischen Umsetzung der umfassenden Abw\u00e4gung bietet sich folgende Vorgehensweise an (s. f\u00fcr die nachfolgenden Ausf\u00fchrungen <a href=\"https:\/\/www.lda.bayern.de\/media\/baylda_ds-gvo_1_security.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Bayrisches Landesamt f\u00fcr Datenschutzaufsicht<\/em>, Sicherheit der Verarbeitung \u2013 Art.\u00a032 DS-GVO, 2016<\/a>; <em>Voigt\/von dem Bussche<\/em>, DSGVO, 2018, Teil\u00a03.3.3 m.w.N.):<\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"text-decoration: underline;\">Ermittlung des Schutzbedarfs der betroffenen Daten:<\/span><br \/>\nUm den Schutzbedarf der von der Verarbeitung betroffenen Daten zu ermitteln ist zu pr\u00fcfen, welches <em>Schadenspotential <\/em>durch Datensicherheitsdefizite im Hinblick auf die betroffenen Daten besteht.<\/li>\n<li><span style=\"text-decoration: underline;\">Ermittlung des Risikopotentials der Verarbeitung dieser Daten:<\/span><br \/>\nDie dem Schutzbedarf entsprechenden Ma\u00dfnahmen m\u00fcssen unter Ber\u00fccksichtigung des Risikos ihrer Verarbeitung ausgew\u00e4hlt werden. Dabei sind vorrangig die <em>Risiken f\u00fcr die betroffenen Personen<\/em>, aber auch die <em>Interessen des Unternehmens <\/em>im Rahmen der Abw\u00e4gung zu ber\u00fccksichtigen. Besteht ein hohes Risiko f\u00fcr die betroffenen Personen, ist eine <em>Datenschutz-Folgenabsch\u00e4tzung<\/em> durchzuf\u00fchren, deren Ergebnis ebenfalls im Rahmen der Risikobewertung zu ber\u00fccksichtigen ist (ErwGr. 84 DSGVO; <em>Martini<\/em> in Paal\/Pauly, DSGVO, 2. Aufl. 2018, Art. 32 Rz. 49).<\/li>\n<li><span style=\"text-decoration: underline;\">Entwicklung eines Datenschutzkonzepts:<\/span><br \/>\nDie verschiedenen Risiken und Interessen sind gegeneinander abzuw\u00e4gen und ihre Ergebnisse dienen als Grundlage f\u00fcr die Entwicklung des angemessenen Datenschutzkonzepts. Dabei werden die Pflichten f\u00fcr jedes Unternehmen auf Einzelfallbasis ausdifferenziert, um ein <em>angemessenes Verh\u00e4ltnis <\/em>von <em>Aufwand und Nutzen der TOM <\/em>zu erreichen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Im Vergleich zu den konkreten Vorgaben des \u00a7\u00a09 BDSG-alt und dessen Anlage enth\u00e4lt die <span style=\"text-decoration: underline;\">Selbsteinsch\u00e4tzung des Schutzbedarfs<\/span> durch das Unternehmen ein <span style=\"text-decoration: underline;\">gr\u00f6\u00dferes Element der Unsicherheit<\/span>.<\/p>\n<p><strong>c) Stand der Technik<\/strong><\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass Unternehmen unter Ber\u00fccksichtigung des Stands der Technik nach Art.\u00a032 Abs.\u00a01 DSGVO ihre <em>Ma\u00dfnahmen an technologische Ver\u00e4nderungen fortlaufend anpassen <\/em>m\u00fcssen. Eine entsprechende Orientierung k\u00f6nnen zumindest ISO-Bestimmungen und der Grundschutzkatalog des BSI bieten (<em>Martini<\/em> in Paal\/Pauly, DSGVO, 2. Aufl. 2018, Art.\u00a032 Rz.\u00a056\u00a0ff. m.w.N.).<\/p>\n<p><strong>d) Standard-Datenschutzmodell der Datenschutzbeh\u00f6rden<\/strong><\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus haben auch die deutschen Datenschutzbeh\u00f6rden im Rahmen einer gemeinsamen Konferenz ein <a href=\"https:\/\/datenschutz.saarland.de\/fileadmin\/themen\/SDM-Methode_V_1_0.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Standard-Datenschutzmodell<\/span><\/a> verabschiedet, welches eine der m\u00f6glichen Vorgehensweisen zur Schaffung rechtskonformer TOM vorstellt.<\/p>\n<p><strong>2. Mindestschutzanforderungen<\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn die DSGVO keine konkreten Ma\u00dfnahmen zur Umsetzung eines angemessenen datenschutzrechtlichen IT-Sicherheitsstandards vorgibt, stellt Art.\u00a032 Abs.\u00a01 DSGVO zumindest Mindestanforderungen an die TOM des Unternehmens. Diese sind zur Gew\u00e4hrleistung eines hinreichenden Datenschutzniveaus unbedingt erforderlich und geben <span style=\"text-decoration: underline;\">eine erste Richtschnur<\/span> in Bezug auf die zu ergreifenden Ma\u00dfnahmen. Sie lassen sich wie folgt klassifizieren (<a href=\"https:\/\/www.gdd.de\/downloads\/praxishilfen\/GDD-Praxishilfe_DS-GVO_4.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">GDD-Praxishilfe DS-GVO IV, S. 21 f.<\/a>):<\/p>\n<table style=\"height: 1328px;\" width=\"536\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"3\" width=\"595\"><strong>Mindestschutzanforderungen gem. Art.\u00a032 DSGVO<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"153\"><strong>Ma\u00dfnahme<\/strong><\/td>\n<td width=\"151\"><strong>Sicherheitsziel<\/strong><\/td>\n<td width=\"291\"><strong>Beispiele zur praktischen Umsetzung<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"153\">Zugangskontrolle<\/td>\n<td width=\"151\">Nutzung der Daten durch Unbefugte technisch verhindern<\/td>\n<td width=\"291\">\n<ul>\n<li>Personalisierte Nutzerkennungen<\/li>\n<li>Passw\u00f6rter und Richtlinien zum Umgang mit diesen<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"153\">Zutrittskontrolle<\/td>\n<td width=\"151\">Nutzung der Daten durch Unbefugte physisch verhindern<\/td>\n<td width=\"291\">\n<ul>\n<li>Wachpersonal<\/li>\n<li>Abgeschlossene Serverr\u00e4ume<\/li>\n<li>Zugangskarten, -schl\u00fcssel o.\u00c4. nur f\u00fcr Berechtigte<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"153\">Zugriffskontrolle<\/td>\n<td width=\"151\">Nutzung der Daten entsprechend der Berechtigungen gew\u00e4hrleisten<\/td>\n<td width=\"291\">\n<ul>\n<li>Berechtigungskonzepte<\/li>\n<li>\u00dcberpr\u00fcfungen<\/li>\n<li>Protokolle<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"153\">Trennungskontrolle<\/td>\n<td width=\"151\">Trennung der Daten entsprechend der verschiedenen Verarbeitungszwecke<\/td>\n<td width=\"291\">\n<ul>\n<li>Archivierungskonzepte<\/li>\n<li>Datenbanken<\/li>\n<li>Nutzung getrennter Server<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"153\">Weitergabekontrolle<\/td>\n<td width=\"151\">Daten\u00fcbermittlung nur an berechtigte Empf\u00e4nger<\/td>\n<td width=\"291\">\n<ul>\n<li>Data Loss Prevention System<\/li>\n<li>Datenverschl\u00fcsselung<\/li>\n<li>Verbindungsverschl\u00fcsselung<\/li>\n<li>Authentifizierungsverfahren<\/li>\n<li>Digitale Signatur<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"153\">Eingabekontrolle<\/td>\n<td width=\"151\">Nachverfolgbarkeit etwaiger Datenver\u00e4nderungen<\/td>\n<td width=\"291\">\n<ul>\n<li>Nachvollziehbarkeit der Nutzereingaben durch Zeitstempel, Nutzernamen, o.\u00c4.<\/li>\n<li>Plausibilit\u00e4tspr\u00fcfungen<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"153\">Belastbarkeit<\/td>\n<td width=\"151\">Robustheit der Datenverarbeitungs-systeme gew\u00e4hrleisten<\/td>\n<td width=\"291\">\n<ul>\n<li>Unterbrechungsfreie Stromversorgung<\/li>\n<li>Virenschutz<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"153\">Verf\u00fcgbarkeitskontrolle<\/td>\n<td width=\"151\">Sicherung der Daten gegen Zerst\u00f6rung oder Verlust<\/td>\n<td width=\"291\">\n<ul>\n<li>Notfallkonzept (s. hierzu <em>Voigt<\/em>, IT-Sicherheitsrecht, Rz.\u00a0186\u00a0ff.)<\/li>\n<li>Back-up-Systeme<\/li>\n<li>Regelm\u00e4\u00dfige Datensicherungen<\/li>\n<li>Redundanz<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"153\">Verfahren zur regelm\u00e4\u00dfigen \u00dcberpr\u00fcfung, Bewertung und Evaluierung<\/td>\n<td width=\"151\">Aufrechterhaltung der Sicherheits-ma\u00dfnahmen gew\u00e4hrleisten<\/td>\n<td width=\"291\">\n<ul>\n<li>Datenschutz-Management<\/li>\n<li>Interne Audits durch den Informationssicherheitsbeauftragten (s. hierzu <em>Voigt<\/em>, IT-Sicherheitsrecht, Rz.\u00a0129\u00a0ff.)<\/li>\n<li>Mitarbeiterbefragungen<\/li>\n<li>Regelm\u00e4\u00dfige Datenschutzschulungen<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pflichten und Haftung im Unternehmen (mit DSGVO &amp; NIS-RL-UmsetzungsG). 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