{"id":3480,"date":"2017-01-31T08:32:26","date_gmt":"2017-01-31T07:32:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cr-online.de\/blog\/?p=3480"},"modified":"2017-01-31T11:59:52","modified_gmt":"2017-01-31T10:59:52","slug":"2-korb-it-sicherheitsgesetz-bundesregierung-legt-nis-umsetzungsgesetz-vor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cr-online.de\/blog\/2017\/01\/31\/2-korb-it-sicherheitsgesetz-bundesregierung-legt-nis-umsetzungsgesetz-vor\/","title":{"rendered":"2. Korb IT-Sicherheitsgesetz: Bundesregierung legt NIS-Umsetzungsgesetz vor"},"content":{"rendered":"<p>Die im Sommer 2016 in Kraft getretene NIS-Richtlinie der EU (vgl.\u00a0<em><a href=\"https:\/\/www.juris.de\/jportal\/?quelle=jlink&amp;docid=jzs-CR-2016-10-0657-1-A-05&amp;psml=jurisw.psml&amp;max=true\" target=\"_blank\">Witt \/ Freudenberg, NIS-Richtlinie, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/suche?q=%5B%7B%22txt%22:%22pubyear:2016%22%7D,%7B%22txt%22:%22source_page:657%22%7D,%7B%22txt%22:%22all_source_2:cr%22%7D%20%5D\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">CR 2016, 657<\/a>-663<\/a><\/em>) verlangt eine Umsetzung im deutschen Recht und damit \u00c4nderungen im IT-Sicherheitsrecht. Am 25. Januar 2017 wurde der entsprechende <a href=\"http:\/\/www.bmi.bund.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/Gesetzestexte\/Entwuerfe\/entwurf-umsetzung-nis-richtlinie.pdf\" target=\"_blank\">Regierungsentwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2016\/1148 des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates vom 6. Juli 2016 \u00fcber Ma\u00dfnahmen zur Gew\u00e4hrleistung eines hohen gemeinsamen Sicherheitsniveaus von Netz- und Informationssystemen in der Union<\/a>\u00a0vom <em>Bundeskabinett<\/em> beschlossen\u00a0und geht jetzt in das parlamentarische Verfahren.<\/p>\n<p>Die Gesetzgebung zu dem 2015 verabschiedeten IT-Sicherheitsgesetz hatte sich bereits an dem laufenden europ\u00e4ischen Gesetzgebungsverfahren orientiert, um die jetzt n\u00f6tigen \u00c4nderungen im deutschen Recht gering zu halten. Dies spiegelt sich auch im vorgelegten Gesetzentwurf wider. Zus\u00e4tzlich\u00a0nutzt die <em>Bundesregierung<\/em> die Gelegenheit, die Rechtsgrundlagen des <em>Bundesamtes f\u00fcr Sicherheit in der Informationstechnik<\/em> (<em>BSI<\/em>)\u00a0auch unabh\u00e4ngig vom europarechtlichen\u00a0Umsetzungsbedarf auszuweiten. Im Einzelnen:<\/p>\n<p><strong>Kritische Infrastrukturen:\u00a0 kleine Modifikationen<\/strong><\/p>\n<p>Kernanliegen der NIS-Richtlinie und auch des deutschen IT-Sicherheitsgesetzes sind der Schutz kritischer Infrastrukturen vor Cyberangriffen. Hier soll\u00a0das System des IT-Sicherheitsgesetzes durch den aktuellen Regierungsentwurf weitgehend erhalten bleiben.<\/p>\n<p>Auch wenn die europ\u00e4ische Definition kritischer Infrastrukturen etwas enger ist und Sektoren wie <em>Versicherungen<\/em>, <em>Abwasser<\/em> oder <em>Logistik<\/em> nicht erfasst, bleibt die <em>Bundesregierung<\/em> bei dem <span style=\"text-decoration: underline;\">breiteren deutschen Ansatz<\/span>. Dies ist im Hinblick auf andere gro\u00dfe Wirtschaftsr\u00e4ume (wie die USA) sinnvoll und wegen der nur mindestharmonisierenden Regelungen des EU-Rechts rechtlich\u00a0m\u00f6glich.<\/p>\n<p><strong>Neue Befugnisse f\u00fcr das BSI<\/strong><\/p>\n<p>\u00c4nderungen im IT-Sicherheitsrecht f\u00fcr kritische Infrastrukturen betreffen\u00a0vor allem\u00a0die Nachweis- und Meldepflichten gegen\u00fcber dem <em>BSI<\/em> und die Rechte des <em>BSI<\/em>. Hier verlangt das europ\u00e4ische Recht eine Versch\u00e4rfung:<\/p>\n<ul>\n<li>Betreiber von KRITIS m\u00fcssen nun auch\u00a0<span style=\"text-decoration: underline;\">Ergebnisse\u00a0der regelm\u00e4\u00dfigen\u00a0Audits<\/span>\u00a0an das <em>BSI<\/em> \u00fcbermitteln (\u00a7 8a Abs. 3 BSI-G-E)<\/li>\n<li>Das <em>BSI<\/em> darf in Umsetzung der europarechtlichen Vorgaben zuk\u00fcnftig auch bei Betreibern\u00a0<span style=\"text-decoration: underline;\">vor Ort \u00fcberpr\u00fcfen<\/span>, ob sie die Vorgaben zum Schutz der IT einhalten (\u00a7 8a Abs. 4 BSI-G-E).<\/li>\n<li>Die <span style=\"text-decoration: underline;\">Meldung von Sicherheitsvorf\u00e4llen<\/span> durch KRITIS-Betreiber an das <em>BSI<\/em> wird zweigeteilt. Bislang sind\u00a0<em>erhebliche St\u00f6rungen<\/em> der IT durch Angriffe zu melden, sofern\u00a0die kritische Infrastruktur hierdurch ausf\u00e4llt oder ausfallen k\u00f6nnte. Zuk\u00fcnftig gibt es zwei Fallgestaltungen, die st\u00e4rker auf die Bedeutung eines Vorfalls auf die Infrastruktur und weniger auf die Schwere der IT-St\u00f6rung abheben \u00a0(\u00a7 8b Abs. 4 BSI-G-E):\n<ol>\n<li>Im Fall eines tats\u00e4chlichen Ausfalls (bzw. einer erheblichen Beeintr\u00e4chtigung) der Infrastruktur muss\u00a0<em>jede daf\u00fcr verantwortliche IT-St\u00f6rung<\/em>\u00a0gemeldet werden.<\/li>\n<li><em>Erhebliche St\u00f6rungen der IT<\/em> sind auch dann zu melden, wenn durch sie ein Ausfall (oder eine erhebliche Beeintr\u00e4chtigung) droht.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li>Die deutschen Beh\u00f6rden leiten zuk\u00fcnftig solche Meldungen auch <span style=\"text-decoration: underline;\">an Beh\u00f6rden anderer europ\u00e4ischer Staaten<\/span> weiter, sofern sie durch St\u00f6rungen in Deutschland betroffen sind (\u00a7 8b Abs. 2 BSI-G-E).<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Digitale Dienste:\u00a0 Un\u00fcbersichtlichkeit fortgeschrieben<\/strong><\/p>\n<p>Mit Ausnahme einer knappen Regelung im \u00a7 13 Abs. 7 TMG (dazu\u00a0<a href=\"https:\/\/www.juris.de\/jportal\/?quelle=jlink&amp;docid=jzs-CR-2015-09-0581-1-A-03&amp;psml=jurisw.psml&amp;max=true\" target=\"_blank\"><em>Gerlach<\/em>, &#8222;Sicherheitsanforderungen f\u00fcr Telemediendienste&#8220;, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/suche?q=%5B%7B%22txt%22:%22pubyear:2015%22%7D,%7B%22txt%22:%22source_page:581%22%7D,%7B%22txt%22:%22all_source_2:cr%22%7D%20%5D\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">CR 2015, 581<\/a>-589<\/a><em>)<\/em> hatte sich das deutsche IT-Sicherheitsgesetz bei digitalen Diensten zur\u00fcckgehalten. Der aktuelle Gesetzentwurf der <em>Bundesregierung<\/em> setzt diese Linie fort und schreibt die bestehende Un\u00fcbersichtlichkeit der IT-Sicherheitsanforderungen f\u00fcr digitale Dienste (vgl. <a href=\"http:\/\/www.cr-online.de\/blog\/2016\/07\/15\/nis-richtlinie-verabschiedet-schwierige-umsetzung-fuer-digitale-dienste\/\"><em>Schallbruch<\/em>, &#8222;NIS-Richtlinie verabschiedet: schwierige Umsetzung f\u00fcr digitale Dienste&#8220;,CRonline Blog v. 15.7.2016<\/a>) einfach nur fort.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Vorgaben der NIS-Richtlinie<br \/>\n<\/strong>Die\u00a0NIS-Richtlinie sieht f\u00fcr eine kleine Gruppe digitaler Dienste &#8211; Online-Marktpl\u00e4tze, Online-Suchmaschinen und Cloud-Dienste &#8211; eine <span style=\"text-decoration: underline;\">Vollharmonisierung der IT-Sicherheitsanforderungen<\/span> durch europ\u00e4isches Recht vor. Die <em>EU-Kommission<\/em> erh\u00e4lt die M\u00f6glichkeit, mit Hilfe von <em>Durchf\u00fchrungsrechtsakten<\/em> den einzubeziehenden Unternehmenskreis, die zu ergreifenden Sicherheitsma\u00dfnahmen sowie die Meldepflichten zu konkretisieren. Diese Durchf\u00fchrungsrechtsakte liegen noch\u00a0nicht vor.<\/li>\n<li><strong>Ansatz der <em>Bundesregierung<br \/>\n<\/em><\/strong>Mit ihrem Gesetzentwurf \u00fcbernimmt die <em>Bundesregierung<\/em> die europ\u00e4ischen Regelungen zu digitalen Diensten in der\u00a0NIS-Richtlinie nahezu\u00a01:1 in das deutsche Recht: neuer \u00a7 8c BSI-G-E. Offenbar traut die <em>Bundesregierung<\/em> den Durchf\u00fchrungsrechtsakten aus Br\u00fcssel nicht ganz und beh\u00e4lt sich vor, Vorgaben f\u00fcr Unternehmen auf dem Verordnungswege zu erg\u00e4nzen. Warum anders als bei kritischen Infrastrukturen bei einer solchen Verordnung des <em>Bundesministeriums des Innern<\/em> (<em>BMI<\/em>)\u00a0auf eine Kooperation mit den betroffenen Branchen verzichtet wird, erschlie\u00dft sich allerdings nicht.<\/li>\n<li><strong>Resultierendes Dickicht an Sicherheitspflichten<br \/>\n<\/strong>Mit diesen schlanken Regelungen\u00a0wird europ\u00e4isches Recht zwar formal umgesetzt, Rechtssicherheit f\u00fcr die betroffenen Anbieter der digitalen Dienste wird indes nicht erreicht.\u00a0W\u00fcrde der Regierungsentwurf so verabschiedet, h\u00e4tten Anbieter digitaler Dienste im Hinblick auf\u00a0IT-Sicherheitsma\u00dfnahmen die Regelungen der NIS-Richtlinie\/des BSI-Gesetzes, der EU-Durchf\u00fchrungsrechtsakte sowie ggf. einer\u00a0BMI-Verordnung zu beachten. Daneben w\u00e4ren auch weiterhin IT-Sicherheitsvorgaben\u00a0des Telemediengesetzes und des Datenschutzrechts umzusetzen. F\u00fcr jede Materie gibt es andere Aufsichtsbeh\u00f6rden, im IT-Sicherheits- und Datenschutzrecht zudem \u00fcberschneidende Meldepflichten.<br \/>\nDie dringend notwendige\u00a0inhaltliche Systematisierung der IT-Sicherheits-Pflichten f\u00fcr digitale Dienste wird mit dem vorliegenden Entwurf nicht in Angriff genommen (vgl. <a href=\"https:\/\/www.juris.de\/jportal\/?quelle=jlink&amp;docid=jzs-CR-2016-10-0663-1-A-06&amp;psml=jurisw.psml&amp;max=true\" target=\"_blank\"><em>Schallbruch<\/em>, &#8222;NIS-Richtlinie und digitale Dienste&#8220;, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/suche?q=%5B%7B%22txt%22:%22pubyear:2016%22%7D,%7B%22txt%22:%22source_page:663%22%7D,%7B%22txt%22:%22all_source_2:cr%22%7D%20%5D\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">CR 2016, 663<\/a>-670<\/a>).<\/li>\n<li><strong>Ausnahme \u00f6ffentliche Verwaltung<br \/>\n<\/strong>Die einzige materielle Regelung zu den digitalen Diensten im Regierungsentwurf ist die Festlegung einer Ausnahme f\u00fcr die \u00f6ffentliche Verwaltung von den Sicherheitsauflagen und Meldepflichten des IT-Sicherheitsrechts.<br \/>\nDie NIS-Richtlinie \u00fcberl\u00e4sst es zwar grunds\u00e4tzlich den Mitgliedsstaaten, &#8222;<em>Ma\u00dfnahmen zum Schutz grundlegender staatlicher Funktionen<\/em>&#8220; selbst zu treffen. Die <em>Bundesregierung<\/em> dehnt diese &#8211; insbesondere zum Schutz der nationalen Sicherheit gedachte &#8211; Ausnahme erheblich aus und entzieht die <span style=\"text-decoration: underline;\">Nutzung von\u00a0Cloud-Angeboten durch die\u00a0\u00f6ffentliche Verwaltung<\/span> vollst\u00e4ndig dem IT-Sicherheitsgesetz.<br \/>\nNachdem schon im Bereich der kritischen Infrastrukturen die staatlichen Beh\u00f6rden selbst ausgenommen sind, werden nunmehr auch <span style=\"text-decoration: underline;\">Cloud-Dienste<\/span> (und mit etwas anderer Begr\u00fcndung <span style=\"text-decoration: underline;\">Suchmaschinen<\/span>) <span style=\"text-decoration: underline;\">des Staates dem IT-Sicherheitsrecht entzogen<\/span><strong>.<\/strong>\u00a0W\u00e4hrend f\u00fcr eine immer gr\u00f6\u00dfere Zahl von Unternehmen Sicherheitsauflagen und Meldepflichten eingef\u00fchrt werden, gibt es solche gesetzlichen Verpflichtungen f\u00fcr die Beh\u00f6rden nur sehr rudiment\u00e4r. Hier ist zu hoffen, dass diese Regelungen im parlamentarischen Verfahren noch eine \u00c4nderung erfahren.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Mobile\u00a0Incident\u00a0Response Teams &#8211; operative\u00a0Befugnisse f\u00fcr <em>BSI<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die <em>Bundesregierung<\/em> nutzt das NIS-Umsetzungsgesetz, um eine zentrale politische Ank\u00fcndigung\u00a0der neuen Cybersicherheitsstrategie rechtlich abzusichern: die\u00a0Mobile Incident Response Teams des <em>BSI<\/em>. Erstmals erh\u00e4lt das <em>BSI<\/em> operative Befugnisse zur Cyberabwehr.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Ziel:<br \/>\n<\/strong>Mit dem neu eingef\u00fcgten \u00a7 5a des BSI-Gesetzes soll die Beh\u00f6rde mit eigenen Kr\u00e4ften bei der\u00a0<em>Wiederherstellung der Sicherheit oder Funktionsf\u00e4higkeit informationstechnischer Systeme<\/em> mitwirken k\u00f6nnen. Das <em>BSI<\/em> kann auf Anforderung\u00a0bei\u00a0Betreibern Kritischer Infrastrukturen und bei Bundesbeh\u00f6rden, in Einzelf\u00e4llen auch bei sonstigen Stellen, vor Ort Hilfestellung leisten.<\/li>\n<li><strong>Umfang:<br \/>\n<\/strong>Dieses mobile &#8222;Eingreifen&#8220; des <em>BSI<\/em> ist begrenzt auf besonders herausgehobene F\u00e4lle. Wann ein solcher Fall vorliegt, steht weitgehend im Ermessen des <em>BSI<\/em>.<br \/>\nAnkn\u00fcpfungspunkt kann die <em>besondere technische Qualit\u00e4t<\/em> des Angriffs ebenso sein wie das <em>\u00f6ffentliche Interesse an der Funktionsf\u00e4higkeit des betroffenen Systems<\/em>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das <em>BSI<\/em> soll zuk\u00fcnftig zwar grunds\u00e4tzlich selbst t\u00e4tig werden k\u00f6nnen. Weder soll aber ein Anspruch f\u00fcr betroffene Unternehmen und Beh\u00f6rden entstehen, noch eine nennenswerte Verdr\u00e4ngung kommerzieller Incident-Response- und Forensik-Anbieter erfolgen.<\/p>\n<p>Angesichts tausender Cyberangriffe pro Tag ist der Ansatz des Regierungsentwurfs klug, dem <em>BSI<\/em> die M\u00f6glichkeit zu geben, abh\u00e4ngig von Art und Wirkung des Angriffs selbst t\u00e4tig zu werden oder auch nicht. Etwas konterkariert wird dieser Gedanke eines BSI-Einsatzes bei bedeutenden F\u00e4llen durch die &#8211; im Gesetz nicht enthaltene &#8211; Formulierung in der Gesetzesbegr\u00fcndung, das <em>BSI<\/em> werde nur dann t\u00e4tig, wenn die betroffene Stelle nicht mit eigenen Mitteln in der Lage sei, die Vorf\u00e4lle zu bew\u00e4ltigen. Es muss geradezu im Interesse des <em>BSI<\/em> sein, bei besonders bedeutenden Vorf\u00e4llen in an sich gut aufgestellten Einrichtungen hinzugezogen zu werden!<\/p>\n<p><strong>Befugnisse des <em>BSI<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Welche Mittel das <em>BSI<\/em> vor Ort einsetzt, ist im Regierungsentwurf nur sehr abstrakt\u00a0definiert. Unterschieden wird zwischen:<\/p>\n<ul>\n<li><em>ersten Ma\u00dfnahmen<\/em> zur Schadensbegrenzung und Sicherstellung des Notbetriebs und<\/li>\n<li><em>weitergehenden Ma\u00dfnahmen<\/em> wie forensische Untersuchung\u00a0und Ursachenbeseitigung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ausdr\u00fcckliche Befugnisse\u00a0f\u00fcr den\u00a0Vor-Ort-Einsatz\u00a0des <em>BSI<\/em> finden sich nur\u00a0in zweierlei Hinsicht:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Datenerhebung und -verarbeitung:\u00a0\u00a0<\/strong><em><br \/>\nBSI<\/em> darf bei seinem Einsatz vor Ort in dem erforderlichen Umfang personenbezogene Daten erheben und verarbeiten, auch soweit sie dem Fernmeldegeheimnis unterliegen,\u00a0und diese Daten unter bestimmten Voraussetzungen auch an Polizeien und Nachrichtendienste weitergeben.<\/li>\n<li><strong>Einbindung der IT-Hersteller:\u00a0<\/strong><em><br \/>\nBSI<\/em> darf Hersteller informationstechnischer Systeme in die Pflicht nehmen, an der Wiederherstellung nach einem Angriff mitzuwirken.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dieser\u00a0erste Ansatz der Beschreibung\u00a0operativer <em>BSI<\/em>-Befugnisse im vorliegenden Entwurf ist klug\u00a0angelegt, bedarf aber einer weiteren Ausarbeitung im Gesetzgebungsprozess, denn:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\">Die eigentlichen Befugnisse des <em>BSI<\/em> sind <strong>zu schwammig formuliert<\/strong>.<\/p>\n<p>Das in\u00a0der Begr\u00fcndung genannte Beispiel des\u00a0<em>Blockierens\u00a0von Netzwerkverbindungen<\/em> ist sicherlich nicht vom Gesetzeswortlaut gedeckt.<\/p>\n<p>Auch der Umgang mit pers\u00f6nlichen Daten aus Unternehmen ist nicht normenklar geregelt. Der schlichte Verweis auf die Vorschriften f\u00fcr die Bundesverwaltung in \u00a7 5 Abs. 5 und 6 BSI-G wird der Bedeutung der Datenweitergabe nicht gerecht &#8211; insbesondere soweit diese Daten dem Fernmeldegeheimnis unterliegen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Neben den genannten drei gro\u00dfen Bereichen enth\u00e4lt der zweite Korb des IT-Sicherheitsgesetzes eine Reihe weiterer\u00a0Erg\u00e4nzungen der Befugnisse des <em>BSI<\/em>. Mit dem Entwurf wird das<em> BSI<\/em> zu einer noch st\u00e4rker operativen Beh\u00f6rde ausgebaut.<\/p>\n<p>Die neuen Aufgaben sind im Kern gut konzipiert und geeignet, die\u00a0Schl\u00fcsselstellung des <em>BSI<\/em> f\u00fcr die Cybersicherheit in Deutschland weiter zu verfestigen. Schw\u00e4chen zeigt der Entwurf an den R\u00e4ndern der Befugnisse:<\/p>\n<ul>\n<li>die pauschale <span style=\"text-decoration: underline;\">Ausnahme der \u00f6ffentlichen Verwaltung <\/span>von Vorgaben des IT-Sicherheitsrechts,<\/li>\n<li>das ungekl\u00e4rte <span style=\"text-decoration: underline;\">Verh\u00e4ltnis des IT-Sicherheitsrechts zum Telemedienrecht <\/span>(und Datenschutzrecht) sowie<\/li>\n<li>das\u00a0schwammige <span style=\"text-decoration: underline;\">Verh\u00e4ltnis\u00a0des <em>BSI<\/em> zu den sonstigen Sicherheitsbeh\u00f6rden <\/span>bei der Untersuchung von Cyberangriffen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Verzichtet hat die <em>Bundesregierung<\/em> einmal mehr darauf, Regelungen zur versch\u00e4rften\u00a0<span style=\"text-decoration: underline;\">Haftung f\u00fcr\u00a0IT-Sicherheitsm\u00e4ngel<\/span> in den Entwurf aufzunehmen (vgl. <a href=\"https:\/\/www.juris.de\/jportal\/?quelle=jlink&amp;docid=jzs-CR-2016-05-0297-1-A-03&amp;psml=jurisw.psml&amp;max=true\" target=\"_blank\"><em>Spindler<\/em>,\u00a0&#8222;IT-Sicherheitsgesetz und zivilrechtliche Haftung&#8220;, <a href=\"https:\/\/online.otto-schmidt.de\/db\/suche?q=%5B%7B%22txt%22:%22pubyear:2016%22%7D,%7B%22txt%22:%22source_page:297%22%7D,%7B%22txt%22:%22all_source_2:cr%22%7D%20%5D\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">CR 2016, 297<\/a>-312<\/a>). Es ist \u00fcberf\u00e4llig, das IT-Sicherheitsrecht auch in den Kern des Problems vordringen zu lassen: die <strong>schlechte Qualit\u00e4t von Software<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die im Sommer 2016 in Kraft getretene NIS-Richtlinie der EU (vgl.\u00a0Witt \/ Freudenberg, NIS-Richtlinie, CR 2016, 657-663) verlangt eine Umsetzung im deutschen Recht und damit \u00c4nderungen im IT-Sicherheitsrecht. Am 25. Januar 2017 wurde der entsprechende Regierungsentwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2016\/1148 des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates vom 6. 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