{"id":1575,"date":"2013-06-27T14:24:33","date_gmt":"2013-06-27T13:24:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cr-online.de\/blog\/?p=1575"},"modified":"2013-06-28T11:26:30","modified_gmt":"2013-06-28T10:26:30","slug":"datenschutzrechtliche-verantwortlichkeit-von-suchmaschinenbetreibern-generalanwalt-beim-eugh-stellt-schlussantrage-zu-loschpflichten-von-google","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cr-online.de\/blog\/2013\/06\/27\/datenschutzrechtliche-verantwortlichkeit-von-suchmaschinenbetreibern-generalanwalt-beim-eugh-stellt-schlussantrage-zu-loschpflichten-von-google\/","title":{"rendered":"Datenschutzrechtliche Verantwortlichkeit von Suchmaschinenbetreibern \u2013 Generalanwalt beim EuGH stellt Schlussantr\u00e4ge zu L\u00f6schpflichten von Google"},"content":{"rendered":"<p>Mehr als 15 Jahre ist es her, dass eine spanische Zeitung \u00fcber die Zwangsversteigerung des Hauses eines Spaniers berichtet hatte. Noch im Jahre 2009 waren die entsprechenden Artikel bei Google auffindbar. Vor wenigen Tagen, am 25.6.2013, hat der finnische Generalanwalt beim EuGH seinen <a title=\"externer Link\" href=\"http:\/\/curia.europa.eu\/juris\/document\/document.jsf?text=&amp;docid=138782&amp;pageIndex=0&amp;doclang=DE&amp;mode=req&amp;dir=&amp;occ=first&amp;part=1&amp;cid=330575\" target=\"_blank\">Schlussantrag<\/a> \u00a0in dem daraus resultierenden Verfahren vor dem EuGH (C-131\/12) eingereicht, das die spanische Datenschutzbeh\u00f6rde (AEPD) gegen Google anh\u00e4ngig gemacht hatte. Der Fall betrifft drei der derzeit wohl hei\u00dfesten Eisen des Datenschutzrechts, n\u00e4mlich:<\/p>\n<ul>\n<li>die Erstreckung des EU-Rechts auf Anbieter aus Drittstaaten,<\/li>\n<li>die Verantwortlichkeit von Suchmaschinenbetreibern f\u00fcr Drittinhalte sowie<\/li>\n<li>das \u201eRecht auf Vergessenwerden\u201c, den sog. \u201edigitalen Radiergummi\u201c.<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Der Fall<\/b><\/p>\n<p>Eine spanische Zeitung hatte im Jahre 1998 in ihrer Print-Ausgabe und sp\u00e4ter auch in ihrer Online-Ausgabe \u00fcber einen spanischen B\u00fcrger, Herrn Costeja Gonz\u00e1lez, unter Verwendung seiner personenbezogenen Daten berichtet. Die entsprechenden Beitr\u00e4ge waren auch nach vielen Jahren noch \u00fcber die Google-Suchmaschine auffindbar. Herr Gonz\u00e1lez m\u00f6chte verhindern, dass bei Eingabe seines Namens bei Google die entsprechenden Suchergebnisse angezeigt werden.<\/p>\n<p>Das L\u00f6schungsverlangen hatte Herr Gonz\u00e1les zun\u00e4chst an die nationale Google Gesellschaft, die <a title=\"externer Link\" href=\"https:\/\/plus.google.com\/115884087859828864450#115884087859828864450\/posts\" target=\"_blank\">Google Spain SL<\/a>, gerichtet. Diese hatte sich u.a. darauf berufen, nicht f\u00fcr den Betrieb der Suchmaschine verantwortlich zu sein, da diese von der kalifornischen <a title=\"externer Link\" href=\"http:\/\/www.google.com\/about\/company\/\" target=\"_blank\">Google Inc.<\/a> betrieben werde.<\/p>\n<p>Mit seinem Vorgehen gegen den Verleger der Zeitung war Herr Gonz\u00e1les erfolglos geblieben, da sich diese auf das Medienprivileg berufen konnte (siehe dazu im deutschen Recht \u00a7 41 BDSG, n\u00e4her erl\u00e4utert von <a title=\"\u00f6ffnet www.juris.de\/cr-online\" href=\"http:\/\/www.juris.de\/jportal\/portal\/t\/x35\/page\/jurisw.psml\/action\/portlets.jw.MainAction?p1=000267&amp;eventSubmit_doNavigate=searchInSubtreeTOC&amp;showdoccase=1&amp;doc.hl=0&amp;doc.id=samson-ovsBDSGD0065&amp;doc.part=C&amp;toc.poskey=#focuspoint\" target=\"_blank\"><i>Plath\/Frey<\/i> in: Plath, BDSG, \u00a7 41 Rz. 4 ff.<\/a>). Indes entschied die von Herrn Gonz\u00e1lez um Hilfe gebetene spanische Datenschutzbeh\u00f6rde (AEPD), dass Google Spain SL sowie Google Inc. zur L\u00f6schung verpflichtet seien. Nachdem Google gegen diese beh\u00f6rdliche Entscheidung gerichtlich vorgegangen war, hat das zust\u00e4ndige spanische Gericht (Audiencia Nacional) den Fall dem EuGH zur Vorabentscheidung nach Art. 267 AEUV vorgelegt.<\/p>\n<p><b>Die Rechtsfragen<\/b><\/p>\n<p>Im Zentrum des Falles stehen drei Fragen:<\/p>\n<ol>\n<li><span style=\"text-decoration: underline;\">Territorialit\u00e4t:<\/span>\u00a0 Unter welchen Voraussetzungen unterliegen international agierende Submaschinenbetreiber dem EU Datenschutzrecht?<\/li>\n<li><span style=\"text-decoration: underline;\">Verantwortlichkeit:<\/span>\u00a0 Ist ein Submaschinenbetreiber als \u201everantwortliche Stelle\u201c datenschutzrechtlich f\u00fcr die von ihm dargestellten Suchergebnisse verantwortlich?<\/li>\n<li><span style=\"text-decoration: underline;\">L\u00f6schungspflichten<\/span>:\u00a0 \u201eBesteht ein \u201eRecht auf Vergessenwerden\u201c der Betroffenen?<\/li>\n<\/ol>\n<p><b>Zu Frage 1:\u00a0 Empfehlung zur Territorialit\u00e4t <\/b><\/p>\n<p>Die Frage des territorialen Anwendungsbereichs richtet sich nach Art. 4 Abs. 1 lit. a) der<a title=\"externer Link\" href=\"http:\/\/eur-lex.europa.eu\/LexUriServ\/LexUriServ.do?uri=CELEX:31995L0046:de:html\" target=\"_blank\"> EU-Datenschutz-RL<\/a>. Danach ist das jeweils nationale Datenschutzrecht der Mitgliedsstaaten anwendbar, wenn die verantwortliche Stelle eine Niederlassung in dem betreffenden Mitgliedsstaat der EU unterh\u00e4lt und diese dort eine \u201eVerarbeitung\u201c personenbezogener Daten vornimmt. Das Thema ist f\u00fcr s\u00e4mtliche der international agierenden Internet-Unternehmen von zentraler Bedeutung. Google hatte sich damit verteidigt, dass die Google Spain SL lediglich Werbepl\u00e4tze vermarkten w\u00fcrde, jedoch nicht f\u00fcr die Datenverarbeitung verantwortlich sei.<\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"text-decoration: underline;\">Technische Verantwortung offen gelassen:<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p>\u00dcberraschenderweise hat der Generalanwalt ausdr\u00fccklich offen gelassen, welche Gesellschaft des Google-Konzerns konkret f\u00fcr die Datenverarbeitung im technischen Sinne verantwortlich ist (vgl. <a title=\"externer Link\" href=\"http:\/\/curia.europa.eu\/juris\/document\/document.jsf?text=&amp;docid=138782&amp;pageIndex=0&amp;doclang=DE&amp;mode=req&amp;dir=&amp;occ=first&amp;part=1&amp;cid=330575\" target=\"_blank\">Rz. 63 des Schlussantrags<\/a>) (vgl. in diesem Zusammenhang auch die Entscheidungen zur Verantwortlichkeit im Facebook-Konzern: <a title=\"externer Link\" href=\"http:\/\/openjur.de\/u\/622153.html\" target=\"_blank\">OVG Schleswig, Beschl. v. 22.04.2013 &#8211; 4 MB 10\/13 und 4 MB 11\/13<\/a>). Offenbar hat er vor dieser zugegebenerma\u00dfen sehr schwierigen Frage schlicht kapituliert (vgl. zu den Auslegungsfragen auch die Stellungsnahmen der Art. 29-Datenschutzgruppe <a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/justice\/policies\/privacy\/docs\/wpdocs\/2008\/wp148_de.pdf\">&#8222;zu Datenschutzfragen im Zusammenhang mit<br \/>\nSuchmaschinen&#8220;, WP 148, Nr. 1\/2008 v. 4.4.2008<\/a>\u00a0 und <a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/justice\/policies\/privacy\/docs\/wpdocs\/2010\/wp179_de.pdf\">&#8222;zum anwendbaren Recht&#8220;&#8220;, WP 179, Nr. 8\/2010 v. 16.12.2010<\/a>).<\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"text-decoration: underline;\">Wertende Betrachtung des Google-Konzerns:<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p>Vielmehr hat der Generalanwalt eine wertende Betrachtung angelegt, wonach der Google-Konzern als \u00a0\u201eeine Einheit\u201c (single unit) zu betrachten sei (vgl. <a title=\"externer Link\" href=\"http:\/\/www.cr-online.de\/blog\/2013\/06\/27\/datenschutzrechtliche-verantwortlichkeit-von-suchmaschinenbetreibern-generalanwalt-beim-eugh-stellt-schlussantrage-zu-loschpflichten-von-google\/\" target=\"_blank\">Rz. 66 des Schlussantrags<\/a>). Vor dem Hintergrund dieser \u2013 sehr gewagten \u2013 Einsch\u00e4tzung hat der Generalanwalt dann die Empfehlung ausgesprochen, dass es f\u00fcr die Anwendbarkeit des EU-Datenschutzrechts bereits ausreichend sei, \u00a0\u201ewenn der Suchmaschinenbetreiber in einem Mitgliedstaat f\u00fcr die Vermarktung und den Verkauf von Werbefl\u00e4chen der Suchmaschine eine Niederlassung oder eine Tochtergesellschaft einrichtet, deren T\u00e4tigkeit sich an die Bewohner dieses Staats richtet\u201c (vgl. <a title=\"externer Link\" href=\"http:\/\/www.cr-online.de\/blog\/2013\/06\/27\/datenschutzrechtliche-verantwortlichkeit-von-suchmaschinenbetreibern-generalanwalt-beim-eugh-stellt-schlussantrage-zu-loschpflichten-von-google\/\" target=\"_blank\">Rz. 68 des Schlussantrags<\/a>). Wie der Generalanwalt klargestellt hat, soll dies selbst dann gelten, wenn die eigentliche \u201etechnische Datenverarbeitung\u201c in Drittstaaten wie z.B. den USA erfolgt.<\/p>\n<p><b>Zu Frage 2: Empfehlung zur Verantwortlichkeit<\/b><\/p>\n<p>Im zweiten Themenkomplex hat sich der Generalanwalt mit der Frage auseinandergesetzt, ob ein Suchmaschinenbetreiber \u00fcberhaupt als datenschutzrechtlich \u201everantwortliche Stelle\u201c angesehen werden kann.<\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"text-decoration: underline;\">Grundsatz:<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p>Im Ergebnis, so der Generalanwalt, sei dies grunds\u00e4tzlich nicht der Fall (vgl. <a title=\"externer Link\" href=\"http:\/\/www.cr-online.de\/blog\/2013\/06\/27\/datenschutzrechtliche-verantwortlichkeit-von-suchmaschinenbetreibern-generalanwalt-beim-eugh-stellt-schlussantrage-zu-loschpflichten-von-google\/\" target=\"_blank\">Rz. 89f. des Schlussantrags<\/a>).<\/p>\n<p>Eine andere Bewertung sei zwar ausnahmsweise angezeigt, wenn es der Suchmaschinenbetreiber vers\u00e4ume, eine im Cache gespeicherte Verlinkung auf eine \u00fcberholte Website zu aktualisieren oder gegen die Anweisungen des Betreibers der verlinkten Website (z.B. in Form von \u201eexclusion codes\u201c, also dem Befehl, eine Quellenwebseite nicht zu indexieren) versto\u00dfe (vgl. <a title=\"externer Link\" href=\"http:\/\/www.cr-online.de\/blog\/2013\/06\/27\/datenschutzrechtliche-verantwortlichkeit-von-suchmaschinenbetreibern-generalanwalt-beim-eugh-stellt-schlussantrage-zu-loschpflichten-von-google\/\" target=\"_blank\">Rz. 91 des Schlussantrags<\/a>). Ansonsten aber \u00fcbe der Suchmaschinenbetreiber keine hinreichende \u201eKontrolle\u201c \u00fcber die personenbezogenen Daten aus und sei daher datenschutzrechtlich auch nicht verantwortlich.<\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"text-decoration: underline;\">Begr\u00fcndung:<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Wertung des Generalanwalts beruht vor allem auf der Feststellung, dass Google technisch gar nicht in der Lage sei, zwischen personenbezogenen und sonstigen Daten zu unterscheiden (vgl. <a title=\"externer Link\" href=\"http:\/\/www.cr-online.de\/blog\/2013\/06\/27\/datenschutzrechtliche-verantwortlichkeit-von-suchmaschinenbetreibern-generalanwalt-beim-eugh-stellt-schlussantrage-zu-loschpflichten-von-google\/\" target=\"_blank\">Rz. 86 des Schlussantrags<\/a>). Dieses \u2013 hier fehlende \u2013 Wissen um die Natur personenbezogener Daten sei jedoch ein wesentliches Element, um die datenschutzrechtliche Verantwortlichkeit eines Unternehmens zu begr\u00fcnden.<\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"text-decoration: underline;\">Ergebnis: Keine datenschutzrechtliche Verantwortlichkeit<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p>Daher, so der Generalanwalt folgerichtig, seien die nationalen Datenschutzbeh\u00f6rden auch nicht berechtigt, die L\u00f6schung von Suchergebnissen anzuordnen. Der Generalanwalt hat jedoch und zu Recht darauf hingewiesen, dass die Geltendmachung zivilrechtlicher Unterlassungsanspr\u00fcche selbstverst\u00e4ndlich unber\u00fchrt bleibt (vgl. <a title=\"externer Link\" href=\"http:\/\/www.cr-online.de\/blog\/2013\/06\/27\/datenschutzrechtliche-verantwortlichkeit-von-suchmaschinenbetreibern-generalanwalt-beim-eugh-stellt-schlussantrage-zu-loschpflichten-von-google\/\" target=\"_blank\">Rz. 99 des Schlussantrags<\/a>).<\/p>\n<p><b>Zu Frage 3:\u00a0 Empfehlung zum \u201eRecht auf Vergessenwerden\u201c<\/b><\/p>\n<p>Im dritten Themenkomplex hat sich der Generalwalt der Frage gewidmet, ob aus den Artikeln 12(b) und 14(a) der EU-Datenschutz-RL ein \u201eRecht auf Vergessenwerden\u201c abgeleitet werden kann. Gemeint ist damit ein absolutes Recht der Betroffenen, unter dem sie stets und weitgehend frei von weiteren Anforderungen die L\u00f6schung ihrer personenbezogenen Daten verlangen d\u00fcrften.<\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"text-decoration: underline;\">Kein absolutes \u201eRecht auf Vergessenwerden\u201c nach EU-Datenschutz-RL:<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p>Art. 12(b) der EU-Datenschutz-RL regelt den Anspruch auf L\u00f6schung u.a. von unvollst\u00e4ndigen bzw. unrichtigen Daten (zur Umsetzung in \u00a7 35 BDSG siehe <a title=\"\u00f6ffnet www.juris.de\/cr-online\" href=\"http:\/\/www.juris.de\/jportal\/portal\/t\/105n\/page\/jurisw.psml\/action\/portlets.jw.MainAction?p1=000244&amp;eventSubmit_doNavigate=searchInSubtreeTOC&amp;showdoccase=1&amp;doc.hl=0&amp;doc.id=samson-ovsBDSGD00580508&amp;doc.part=C&amp;toc.poskey=#focuspoint\" target=\"_blank\"><i>Kamlah<\/i> in: Plath, BDSG, \u00a7 35 Rz. 9 ff.<\/a>). Art. 14(a) der EU-Datenschutz-RL regelt ein Widerspruchsrecht der Betroffenen, das allerdings an eine Interessenabw\u00e4gung gekn\u00fcpft ist. Aus dem Umkehrschluss dieser Regelungen, die eine L\u00f6schung an bestimmte Bedingungen kn\u00fcpfen, hat der Generalanwalt das \u2013 zutreffende \u2013 Ergebnis abgeleitet, dass die EU-Datenschutzrichtlinie kein absolutes \u201eRecht auf Vergessenwerden\u201c vorsieht (vgl. <a title=\"externer Link\" href=\"http:\/\/www.cr-online.de\/blog\/2013\/06\/27\/datenschutzrechtliche-verantwortlichkeit-von-suchmaschinenbetreibern-generalanwalt-beim-eugh-stellt-schlussantrage-zu-loschpflichten-von-google\/\" target=\"_blank\">Rz. 111 des Schlussantrags<\/a>). Dar\u00fcber hinaus, so der Generalanwalt, folge ein \u201eRecht auf Vergessenwerden\u201c auch nicht aus der EU-Grundrechtecharta.<\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"text-decoration: underline;\">Kein Anspruch gegen\u00fcber Suchmaschinenbetreibern:<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p>Insbesondere bestehe ein solches Recht nicht generell gegen\u00fcber Suchmaschinenbetreibern, denn diese seien \u2013 anders als die datenschutzrechtlich verantwortlichen Betreiber der verlinkten Websites \u2013 faktisch gar nicht in der Lage, die datenschutzrechtlich erforderliche Interessenabw\u00e4gung vorzunehmen (vgl. <a title=\"externer Link\" href=\"http:\/\/www.cr-online.de\/blog\/2013\/06\/27\/datenschutzrechtliche-verantwortlichkeit-von-suchmaschinenbetreibern-generalanwalt-beim-eugh-stellt-schlussantrage-zu-loschpflichten-von-google\/\" target=\"_blank\">Rz. 109 des Schlussantrags<\/a>).<\/p>\n<p><b>Stellungnahme zu den Empfehlungen des Generalanwalts <\/b><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"text-decoration: underline;\">Territorialit\u00e4t bei \u201eKonzernzurechnung\u201c?<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p>Ganz offenbar beruht die Empfehlung des Generalanwalts zur Frage der Territorialit\u00e4t auf einer ergebnisorientierten Bewertung. Ziel war es zun\u00e4chst, die Bet\u00e4tigung von Google in Spanien dem EU Datenschutzrechtregime zu unterwerfen. Dies mag man begr\u00fc\u00dfen oder kritisieren. Der gew\u00e4hlte Ansatz \u00fcberzeugt aber letztlich nicht. Denn entweder nimmt die spanische Gesellschaft eine eigene Datenverarbeitung i.S.d. der EU-Datenschutz-RL vor, oder dies ist gerade nicht der Fall. Ist eine solche Datenverarbeitung nicht konkret nachweisbar, so widerspricht es den Grunds\u00e4tzen des EU-Datenschutzrechts, einem Unternehmen (hier der spanischen Gesellschaft) die Datenverarbeitung eines anderen Konzernunternehmens (hier der Google Inc.) schlicht zuzurechnen (zur Frage der gemeinsamen Verantwortlichkeit mehrerer Stellen siehe <a title=\"\u00f6ffnet www.juris.de\/cr-online\" href=\"http:\/\/www.juris.de\/jportal\/portal\/t\/117u\/page\/jurisw.psml\/action\/portlets.jw.MainAction?p1=000037&amp;eventSubmit_doNavigate=searchInSubtreeTOC&amp;showdoccase=1&amp;doc.hl=0&amp;doc.id=samson-ovsBDSGD00100514&amp;doc.part=C&amp;toc.poskey=#focuspoint\" target=\"_blank\"><i>Plath\/Schreiber<\/i> in: Plath, BDSG, \u00a7 3 Rz. 69<\/a>). Denn in die andere Richtung, wenn es also darum geht, eine Datenverwendung innerhalb eines Konzerns zu rechtfertigen, gilt schlie\u00dflich der Grundsatz, dass das Datenschutzrecht gerade kein \u201eKonzernprivileg\u201c kennt, welches den Unternehmen einen freien Datenaustausch erm\u00f6glichen w\u00fcrde.<\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"text-decoration: underline;\">Verantwortlichkeit mit Ausnahmen:<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p>Hinsichtlich des zweiten Themenkomplexes der \u201eVerantwortlichkeit\u201c ist das Ergebnis insoweit \u00fcberraschend, als der Generalanwalt in dem Betrieb einer Suchmaschine zwar eine \u201eVerarbeitung\u201c personenbezogener Daten erkannt hat, jedoch die Rolle des Suchmaschinenbetreibers als \u201everantwortliche Stelle\u201c verneint hat. Zu Ende gedacht, f\u00fchrt dies zu dem Ergebnis, dass es durchaus \u2013 und zwar auch au\u00dferhalb der Auftragsdatenverarbeitung nach \u00a7 11 BDSG \u2013 Unternehmen geben kann, die zwar personenbezogene Daten verarbeiten, die daf\u00fcr jedoch rechtlich nicht verantwortlich sind.\u00a0 Auf den ersten Blick widerspricht dies dem fundamentalen Grundsatz des EU-Datenschutzrechts, wonach Erhebung, Verarbeitung und Nutzung personenbezogener Daten nur dann zul\u00e4ssig sind, soweit entweder das Gesetz dies erlaubt oder eine Einwilligung vorliegt (vgl. f\u00fcr das deutsche Recht \u00a7 4 Abs. 1 BDSG). Auf den zweiten Blick sind die \u00dcberlegungen des Generalanwalts aber doch nachvollziehbar, jedenfalls wenn man es vom Ergebnis her betrachtet, denn bei anderer Auslegung w\u00e4re \u2013 wie ein Beispiel des Generalanwalts zeigt \u2013 jeder Besitzer eines Computers oder Smartphones schon allein wegen dieses Umstandes als verantwortliche Stelle zu betrachten (vgl. <a title=\"externer Link\" href=\"http:\/\/www.cr-online.de\/blog\/2013\/06\/27\/datenschutzrechtliche-verantwortlichkeit-von-suchmaschinenbetreibern-generalanwalt-beim-eugh-stellt-schlussantrage-zu-loschpflichten-von-google\/\" target=\"_blank\">Rz. 81 des Schlussantrags<\/a>).<\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"text-decoration: underline;\">Kein pauschales \u201eRecht auf Vergessenwerden\u201c:<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p>Mit Blick auf das \u201eRecht auf Vergessenwerden\u201c ist den Empfehlungen des Generalanwalts zuzustimmen. Die EU-Datenschutz-RL sieht konkrete Regelungen vor, nach denen der Betroffene eine L\u00f6schung seiner personenbezogenen Daten verlangen kann. Im Umkehrschluss besteht damit aber gerade kein Recht der Betroffenen, jederzeit und ohne weitere Anforderungen eine L\u00f6schung ihrer Daten verlangen zu k\u00f6nnen. Anzumerken ist, dass nach dem Vorschlag der EU-Kommission zum \u201eRecht auf Vergessenwerden\u201c, wie es in <a href=\"http:\/\/www.cr-online.de\/Vorschlag.pdf\" target=\"_blank\">Art. 17 EU-Datenschutz-GVO<\/a> vorgesehen ist, dieses Recht nicht uneingeschr\u00e4nkt gew\u00e4hrt werden w\u00fcrde. Denn auch dort werden bestimmte \u2013 wenn auch relativ weit gefasste \u2013 Anforderungen an den entsprechenden L\u00f6schungsanspruch gestellt. Die weitere Entwicklung bleibt insofern abzuwarten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr als 15 Jahre ist es her, dass eine spanische Zeitung \u00fcber die Zwangsversteigerung des Hauses eines Spaniers berichtet hatte. Noch im Jahre 2009 waren die entsprechenden Artikel bei Google auffindbar. 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