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Quo vadis Legal Tech? - Vorstellung eines Lastenhefts für ein Legal Tech-Produkt für Rechtsabteilungen und Kanzleien (Söbbing/Sauter, ITRB 2019, 259)

"Legal Tech" ist in aller Munde, doch wenig Greif- und vor allem Anwendbares lässt sich finden. Legal Tech-Produkte sind von einer echten Usability noch weit entfernt. Der Beitrag soll einen konkreten Schritt in die richtige Richtung machen und beginnt wie jedes strukturierte IT-Projekt mit einem Lastenheft für ein Legal Tech-Produkt.

1. Ausgangssituation

2. Lastenheft allgemein

3. Lastenheft für die KI-basierte Überprüfung und Kommentierung eines (Rahmen-)Vertrags

a) Einführung

b) Ist-Zustand

c) Soll-Zustand

d) Abgrenzung

e) Schnittstellen

f) Technische Rahmenbedingungen

g) Einsatz

h) Terminplan

i) Kostenrahmen

j) Organisatorisches Umfeld

4. Resümee


1. Ausgangssituation

Sucht man Innovationen in der juristischen Arbeitswelt, tut man sich schwer. Während in fast alle Wirtschaftsbereiche moderne Technologien Einzug gefunden haben, arbeiten Juristen teilweise noch heute wie vor 50 Jahren. Immer noch misst sich die Größe einer Kanzlei oder Rechtsabteilung an der Anzahl ihrer Mitarbeiter und nicht an ihrem Ertrag. Es ist fraglich, wie lange sich die Shareholder das noch gefallen lassen, bis sie eines Tages Partner und General Counsels einsetzen, die Manager sind und keine Juristen.

Dabei könnte man ohne weiteres antiquierte Diktiergeräte durch Spracherkennungssoftware und analoge Wiedervorlagen durch moderne ERP-Systeme ersetzen. Das wäre wesentlich effektiver, günstiger und transparenter. Ein Mandant könnte mit einem Blick in das ERP-System erkennen, wie weit seine Fallbearbeitung ist. Warum kann das, was bei der Lieferung einer Onlinebestellung inzwischen völlig üblich ist, nicht auch von einem Juristen erwartet werden? Gerade sie betonen oft, dass sie eine Rechtsberatungsdienstleistung erbringen – warum ist dann der Service so kundenfeindlich und ineffektiv?

Viele Speaker äußern sich vor diesem Hintergrund zu den erforderlichen und erwartbaren Veränderungen im juristischen Arbeitsmarkt oder zu Visionen darüber, was KI für Juristen in der Zukunft leisten kann. Visionen helfen jedoch wenig, wenn sie nicht umgesetzt werden; dies führt nur zu Frustration. Auch Vermutungen darüber, ob in der Zukunft Juristen überhaupt noch benötigt werden, sind nicht hilfreich.

Zielführend ist vielmehr die Analyse dessen, was der juristische Markt wirklich sucht und braucht und was das jur. Arbeiten tatsächlich erleichtert bzw. verbessert, ohne dass dadurch nur ein Jurist weniger benötigt wird und ohne dass zuvor ein langatmiger Sondierungsvorgang durchlaufen werden muss, welches Legal Tech-Produkt sich im Nachgang am besten skalieren lässt. Sinnvoll ist es, konkret zu beschreiben, was der im Vertragsrecht tätige moderne Anwalt oder Unternehmensjurist von einem Legal Tech-Produkt im Bereich der Vertragsanalyse erwarten kann. Wie in der IT üblich, ist dazu – bei klassischer, nicht agiler Vorgehensweise – erst einmal die Erstellung eines Lastenheft notwendig.

2. Lastenheft allgemein
Ein Lastenheft nach induux beschreibt die „vom Auftraggeber festgelegte Gesamtheit der Anforderungen an die Lieferungen und Leistungen eines Auftragnehmers innerhalb eines Auftrages“. Da das Lastenheft vom Auftraggeber erstellt wird, werden darin keine präzisen Angaben zur Umsetzung formuliert. Das Lastenheft beinhaltet jedoch Zielsetzungen, Aufgabenstellungen, Anforderungen und weitere wichtige Eckdaten. Es gibt eine Standardform des Lastenhefts. Die Anforderungen werden nummeriert, um einen übersichtlichen ...

 


Verlag Dr. Otto Schmidt vom 04.12.2019 10:42
Quelle: Verlag Dr. Otto Schmidt

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